Das Ende der internationalen Währungskrise ist noch nicht abzusehen. Die Experten der Kreditinstitute und Fonds stehen der veränderten Anlagesituation ziemlich ratlos gegenüber. Beruhigend ist, daß niemand in der Bundesrepublik auf den Gedanken kam, sein deutsches Aktienportefeuille überstürzt zu liquidieren. Aus dem Ausland kamen sowohl Kauf- als auch Verkaufsaufträge.

Die Tatsache, daß der Zentralbankrat jetzt wöchentlich tagt, wird als ein Zeichen dafür gewertet, daß auch unsere Währungshüter mit raschen Veränderungen rechnen und sich die Möglichkeit raschen Reagierens offenhalten wollen. Hatte man in Börsenkreisen mit dem Abbau der bisherigen Restriktionspolitik bisher erst im Herbst gerechnet, so hält man es nunmehr für möglich, daß der Zentralbankrat bereits sehr bald einen Abbau des hohen Zinsniveaus in die Wege leiten wird.

Vielleicht zähneknirschend, denn von einem nennenswerten Nachlassen des Preisauftriebs kann noch keine Rede sein. Der Zentralbankrat muß aber darauf achten, daß unser hohes Zinsniveau keine neuen Devisenzuflüsse bringt. In den USA sinken die Zinsen, wir werden folgen müssen.

Sicher ist, daß die amerikanischen Maßnahmen zur Stabilisierung des Dollar direkt und indirekt zur Abkühlung der deutschen Hochkonjunktur beitragen werden. Sie wird sich um somehr bemerkbar machen, je länger die Währungskrise anhält, weil wir – im Gegensatz zu den Japanern und anderen Konkurrenten – unseren Export über das „floating“ bereits um annähernd 7 Prozent aufgewertet haben. Dazu kommt nun noch die 10prozentige US-Importsteuer, die nach Ansicht der Börsianer erst wieder fallen wird, wenn durch Aufwertungen der wichtigsten Währungen gegenüber dem Dollar realistische Wechselkursrelationen hergestellt worden sind. Darauf werden wir noch lange warten müssen...

Wenn man dieser Lagebeurteilung folgt, meine verehrten Leser, ergeben sich folgende Konsequenzen:

  • Eine Zinssenkung mit möglichem Abbau der Mindestreserven dürfte unmittelbar bevorstehen.
  • Die Gewinnsituation der deutschen Unternehmen – soweit sie stark exportorientiert sind – wird sich durch die Währungskrise sicherlich noch etwas verschlechtern.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Sparer? Zunächst einmal: Es hat keinen Sinn mehr, mit dem Kauf festverzinslicher Papiere zu zögern. In Erwartung einer Zinssenkung haben einige Großanleger in der Vorwoche bereits Renten gekauft. Dadurch hat es Kurssteigerungen gegeben. Der Absatz, der neuen 8prozentigen Inlandsanleihen ist zwar noch nicht stürmisch. Das kann sich aber schlagartig ändern.