Bonn ist weit entfernt von einer Krisenstimmung. Superminister Karl Schiller begann programmgemäß seine Chefgespräche über den kommenden Haushalt – trotz Währungskrise. Kritik daran, daß es keine Sondersitzung des Kabinetts gab und daß die Minister nicht einmal vollzählig am Kabinettstisch erschienen, hält man im Kanzleramt für unsinnig. Ministerialdirektor Karl Otto. Pohl: „Natürlich haben wir an eine Sondersitzung gedacht und dann bewußt darauf verzichtet, um die Angelegenheit nicht zu dramatisieren. Das wäre doch nur ein zusätzliches Moment der Verunsicherung gewesen.“ Die Koalitionspartner waren ohnedies verständigt. Karl Schiller hatte sich mit Kanzler Willy Brandt und Außenminister und FDP-Chef Walter Scheel beraten. Pohl: „Nur um eine Schau abzuziehen, wollten wir keine Sondersitzung einberufen.“

Im Wirtschaftsministerium werden die Differenzen mit Paris bedauert, aber nicht überbewertet, zum Teil auch nur „auf persönliche Animositäten“ zwischen Karl Schiller und seinem französischen Gegenspieler Valery Giscard d’Estaing zurückgeführt. Auch für die französische Furcht vor der sogenannten deutscher „Übermacht“ hat man wenig Verständnis. Die meisten EWG-Partner hätten sich nun zumindest partiell dem deutschen Floating angeschlossen. In der Sache habe sich auch Großbritannien, gewiß nicht deutschlandhörig, auf Schillers Seite geschlagen. Nach der kürzlich wiederbelebten Allianz London–Paris werde dies auch in Paris seinen Niederschlag finden.

Mit Bangen sieht die Geschäftsführung des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) der in Kürze stattfindenden Sitzung ihres Verwaltungsrates entgegen. Die Sorge der DED-Führung gilt den Recherchen eines sozialdemokratischen Bundestagsabgeordneten. Helmut Esters, Berichterstatter im Haushalts- und Rechnungsprüfungsausschuß, hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, die diversen Zuwendungsempfänger des Bonner Entwicklungsministeriums etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Esters nutzte seine Parlamentsferien, um auf Reisen festzustellen, „wer eigentlich was mit unserem Geld macht“.

Wenig beeindruckt war der Abgeordnete vom DED. Ein Gutachten des Bundesrechnungshofes hatte ihn bereits vorgewarnt. So hatte der Rechnungshof kritisiert, daß die Bundesregierung im DED-Verwaltungsrat zu wenig Einfluß hat. Das BMZ ist nur mit einem Mann vertreten. Als einen „Witz“ bezeichnet Esters die Tatsache, daß rund 40 Entwicklungshelfer im Ausland zweckentfremdet Sekretärsdienste für die Regionalbeauftragten des DED ableisten.

Als Esters unangemeldet die Ausbildungs-Schule des DED in Wächtersbach bei Frankfurt besuchte, war er schlicht entsetzt über das Durcheinander und Palaver in den dortigen Arbeitskreisen. Er will nun für mehr Einfluß der zuständigen Ministerien sorgen. Helmut Esters: „Die Dinge müssen in Ordnung kommen, sonst werden wir bremsen.“ Die Bremse ist die Sperrung des Geldes.

Der DED-Geschäftsführer Bernhard Schweiger, der demnächst ins Eppler-Ministerium als Ministerialrat zurückkehrt, beschwichtigt: „Es handelte sich um die ersten Seminarstunden eines neuen Vorbereitungskurses. Da gab es doch materiell noch nicht viel zu sehen.“ Und: „Von der Regie her war das unglücklich, deshalb war der Eindruck von Herrn Esters nicht sehr gut.“

Paul Mikat, Universitätsprofessor, CDU-MdB und ehemaliger Kultusminister von Nordrhein-Westfalen; wurde vom SPD-Pressedienst als potentieller Bundesschatzmeister der CDU und Nachfolger von Kurt Schmücker in diesem Amt auf den Schild gehoben. Wie es hieß, werde Mikat vom Industrieflügel der Union gedrängt. Mikat selbst hörte erstmals von diesem Gerücht: „Ich kann nur hoffen, daß mich niemand deswegen anspricht.“