Von Wolfram Siebeck

Liebe Kinder, heute wollen wir über die Dollarkrise sprechen. Zunächst einmal: Was ist das, ein Dollar? Hat jemand von euch diesen Namen schon einmal gehört? Richtig! Der Dollar war eine antike Münze, die man verstorbenen Amerikanern ins Grab legte. Warum aber gerade Dollars? Karlchen? Nein, nicht weil sie nichts wert waren, das heißt, du hast recht, sie waren nichts wert; aber in Amerikanergräber legte man sie weshalb? Franzl? Jawohl, sie wurden verstorbenen Amerikanern ins Grab gelegt, damit sie sich in der besseren Welt damit etwas kaufen konnten.

Was verstanden nun die Amerikaner unter der besseren Welt? Europa – sehr richtig! Alljährlich pilgerten sie dorthin, und wo es am besten war, opferten sie ihre Dollars den dortigen Göttern. Diese hießen Kellner, Taxifahrer und Hotelportier.

Wenn sie ihnen aber genug geopfert hatten, fanden sie bei ihrer Heimkehr einen Volkswagen vor der Haustür. So jedenfalls ist es überliefert, und die Volkswagenfunde auf den amerikanischen Blechfriedhöfen der frühen Giftzeit lassen darauf schließen, daß der Volkswagen tatsächlich bis Amerika vorgedrungen war.

Nun dürft ihr euch nicht vorstellen, liebe Kinder, daß der Volkswagen damals genauso war, wie er heute ist. Wodurch nämlich, unterschied er sich von unserem heutigen Käfer? Er hatte damals nur – ja, Andreas, was hatte er damals nur? Nur 3582 Verbesserungen hatte er damals, sehr gut, setz dich! Nun fanden die Amerikaner nicht nur großen Gefallen an unserer deutschen Wertarbeit, sie begehrten auch japanische Kleinradios; denn die Japaner waren immer Freunde der Deutschen und lieferten deshalb fast genauso gute Wertarbeit wie wir.

Da aber die Amerikaner nun auch in Asien den Göttern ihre Dollars opferten, hatten sie bald keine mehr, die sie ihren Verstorbenen mit ins Grab geben konnten, damit die sich in der besseren Welt einen Bierseidel oder eine Kuckucksuhr kaufen konnten. Als es soweit gekommen war, wurden sie wieder einmal so neidisch auf uns und unsere Kuckucksuhren – und auf unsere japanischen Freunde mit ihren Kleinradios –, daß sie uns die Dollarkrise erklärten.

Seit dieser Zeit wurden den Verstorbenen nur noch Silbermünzen mit dem Kopf des Bayernhäuptlings Strauß ins Grab gelegt. Dieser war ein vorausschauender Wirtschaftsexperte in seiner Zeit und hatte die Silbermünzen vorsorglich prägen lassen, damit sie als neue Leitwährung den Dollar ablösen konnten.