Von Günter Haaf

Vor 130 Jahren brachte der amerikanische Horror-Poet Edgar Allan Poe seinen Zeitgenossen das Gruseln vor einer übermächtigen, unfaßbaren Naturgewalt bei. In seiner berühmt gewordenen Geschichte vom "Maelstrom" erinnert sich ein nordischer Fischer an haarerbleichende Abenteuer im alles verschlingenden Schlund eines gigantischen Meeresstrudels.

Nun erschrecken ernsthafte Wissenschaftler die Fachwelt mit Berichten über ungleich zerstörerischere Trichter, gegen die sich Poes Wasserwirbel als vergleichsweise harmlose Planschereien ausnehmen: Urgewaltige Schwerkraftstrudel in den Tiefen des Weltalls, so drohen die Forscher in der Manier ausgefuchster Science-fiction-Schreiber, verschlingen unwiderruflich alles, was in ihren Bannkreis gerät – Staub und Sterne, Licht und Leben.

Selbst das gesamte Universum soll, nach Meinung einiger Astronomie-Pessimisten, dereinst von den wirbelnden Gravitationskräften aufgesogen und vernichtet werden.

Vorerst freilich freuen sich die Schwarzmaler über die wahrscheinliche Existenz dieser sogenannten "schwarzen Löcher". Zwar gelang es ihnen noch nicht, eines jener black holes im Weltall aufzuspüren; aber schon heute spekulieren Astronomen und Astrophysiker auf Tagungen und in Fachblättern darauf, daß sich alle kosmischen Rätsel der Gegenwart im Strudel der schwarzen Löcher auflösen werden.

Mit dem Nachweis der Existenz von black holes hoffen die Forscher die Fragen

  • nach der missing matter (der fehlenden kosmischen Materie),
  • nach der Energiequelle der "Quasare" (sternenähnliche Objekte, die ungeheure Energiemengen ausstrahlen),
  • nach dem Ursprung der harten kosmischen Höhenstrahlung (energiereiche Partikel, die ständig auf die Erde niederprasseln) oder aber
  • nach dem Entstehungsmechanismus der interstellaren Moleküle (chemische Verbindungen im Weltall, die als Ursubstanzen des Lebens gelten) beantworten zu können.