Von Hans Eckart Rübesamen

Den Zaungästen an der Pier des Flensburger Hafens treibt es schier die Augen aus dem Kopf. 250 Dosen Bier für sechs Mann und zwei Wochen, das sind hierorts ungebräuchliche Relationen. Die Gesichter entspannen sich erst zu verständnisvollem Schmunzeln, als sich herumspricht, daß die neue Crew aus München angereist ist. Ach sooo!

Die Verhandlungen mit dem Eigner der „Salome“ sind schriftlich geführt worden. Besser ist es, eine unbekannte Charteryacht vorher persönlich zu besichtigen. Die üblichen Angaben über Größe, Besegelung, Schlafplätze, Maschine, Ausstattung der Pantry sagen nämlich noch nichts über ihren wirklichen Zustand, nichts über Stabilität, Kreuzeigenschaften, Stauraum und so weiter aus. So wird der Augenblick der Begegnung von Mannschaft und Schiff zur Stunde der Wahrheit – vor allem dann, wenn die Yacht die Erwartungen nicht erfüllt. Zuweilen zeigt sich der gefürchtete Pferdefuß – Leckstellen, angebrochene Spanten, morsches Tauwerk, schlecht geflickte Segel – auch erst auf See, womöglich in kniffliger Situation.

Die „Salome“ jedenfalls liegt klar an der Mole. Sie macht einen zuverlässigen, rundum erfreulichen Eindruck. Der Eigner übergibt sein Schiff selbst; das spricht für beide. Er erklärt, führt vor, gibt Tips und legt Hand an, wenn die Besatzung sich noch nicht zurechtfindet.

Die Chartergebühr richtet sich nach Größe, Ausrüstung und Komfort des Schiffes. Sie liegt im Ostseeraum durchschnittlich zwischen 100 und 250 Mark pro Kopf und Woche. Im Mittelmeer und in der Ägäis, wo überwiegend größere und komfortablere Yachten zum Teil auch gewerbsmäßig angeboten werden, bewegt sich das Preisniveau auf entsprechend höherer Ebene. Auch die Tatsache, daß viele Charterverträge auf Dollarbasis geschlossen werden, trägt zu den manchmal stolzen Preisen bei. Kosten zwischen 300 und 400 Mark sind im Süden jedenfalls keine Ausnahme. Andererseits gibt es immer wieder die Chance, einen selbst segelnden Bootseigner zu finden, der einzelne Plätze zur unentgeltlichen Mitfahrt anbietet. Er erwartet dafür freilich, daß der „Gast“ kräftig zupackt, wenn es nötig ist. Solche Plätze vermittelt vor allem die „Heuerstelle“ des Deutschen Segler-Verbandes, Hamburg 76, Adolfstraße 56.

Und das ist der Steckbrief unserer „Salome“: Gewicht: 11 Tonnen; Länge über alles: 12,80 m; Breite: 3,40 m; Tiefgang: 1,80 m; sloop-getakelt mit 55 Quadratmetern Segelfläche am Wind; Maschine: 24-PS-Penta-Motor, sechs Schlafplätze.

Das Stauen des Reisegepäcks ist mühsame, schweißtreibende Tüftelarbeit, nicht nur im Hinblick auf das respektable Biervolumen. Alles soll ja jederzeit zugänglich, dabei trocken und stabil gelagert sein, auch wenn das Boot einmal kräftig Lage schiebt. Die unverzollte Freihafenware lieferte der Schiffshändler direkt an, und das zu traumhaften Preisen. Die Crew nährt den Hauch vom Abenteuer mit Whisky, Rum, Portwein und Golden Darjeeling-Tee. Vergleichsweise bescheiden nimmt sich dagegen die Garderobe aus. Lieber warm und trocken als in Schönheit frieren, war die willig befolgte Parole. In jedem Seesegler steckt ein kleiner Gammler. Das Ölzeug freilich, farbenprächtig griffbereit am Haken neben dem Niedergang, dient vierzehn Tage lang vor allem den dekorativen Zwecken der Farbphotographen.