Trotz der zum 14. September festgelegten nächsten Zusammenkunft mit den Arbeitgebern – Tarifgemeinschaft deutscher Länder und Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände – haben die Berliner Krankenhausärzte die Stufe zwei ihres Kampfplanes in Kraft gesetzt: ein „go slow“, bei dem sich die Ärzte „auf die optimale Behandlung der Patienten nach ärztlichen Gesichtspunkten ohne Rücksicht auf die Zeit und die Wirtschaftlichkeit“ konzentrieren. Die Patienten werden ausführlicher und genauer behandelt, Schreib- und Verwaltungsarbeit findet nicht statt, jeder rechnet genauestens Überstunden ab. Nachbehandelnde Ärzte werden telephonisch über die Diagnose und Behandlung unterrichtet.

Offensichtlich, geht es den im „Marburger Bund“ zusammengeschlossenen Krankenhausärzten darum, die Arbeitgeberseite zu zwingen, am 14. September einen festen Termin für Verhandlungen über die seit fast zwei Jahren vorgetragenen Forderungen der Mediziner zu nennen: vor allem Herabsetzung der Arbeitszeit und bessere Bezahlung des Bereitschaftsdienstes.

Die Ärzteaktion ist nicht auf Berlin beschränkt: Während sich in Berlin 96 Prozent der Ärzte in der Urabstimmung für Kampfmaßnahmen entschieden hatten, waren es in Bremen sogar 99 Prozent. Die Streikleitung des „Marburger Bundes“ ließ jetzt auch in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz 11 000 Mitglieder zur Urabstimmung rufen, weil die öffentlichen Arbeitgeber „in den 22 Monaten nach der Kündigung der Sonderregelungen für Ärzte noch nicht mit dem Marburger Bund über die von ihm geforderten Verbesserungen verhandelt hätten“. lu