Gute Ratschläge sind teuer, aber befolgt werden sie meistens nicht. Das mögen sich die Verantwortlichen im Münchner Verlag moderne Industrie gedacht haben, als sie eine Beteiligung am ersten deutschen „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ verweigerten. Dieser zweibändige Katalog, kurz VIB genannt, der seit der vergangenen Woche vorliegt, enthält das bislang umfangreichste Verzeichnis noch lieferbarer Bücher aus deutschen Verlagen. Er bildet zugleich ein wichtiges Teilstück des geplanten Rationalisierungssystems für den gesamten deutschen Buchhandel.

Die Absage des Verlags moderne Industrie ist kein Einzelfall. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind es jedoch nur kleine Verlage, die vornehmlich aus Kostengründen – die Eintragung der Verlagsproduktionen kostet pro Zeile achtzig Pfennig – nicht im VCB vertreten sind. Fast alle mittleren und großen Verlage haben die Nützlichkeit dieses Rationalisierungs-Instruments eingesehen.

Daß der Verlag moderne Industrie nicht dazu gehört, ist um so eigenartiger, als gerade dieser Verlag die Wirtschaft seit Jahren mit Rationalisierungs- und sonstigen Verbesserungsvorschlägen geradezu bombardiert. Wie man moderner, besser, schneller organisiert, führt, wirbt, managt, liest – das alles kann man in zahllosen Büchern dieses Verlags nachlesen. Die Münchner selber freilich scheinen ihre eigenen Bücher nicht besonders ernst zu nehmen. hd