Die Aktionäre deutscher Gesellschaften sind unsicher geworden. Während die Bundesregierung und andere „amtliche“ Wirtschaftspolitiker unbeirrt Optimismus verbreiten, malen Unternehmer und Verbände die Zukunft grau in grau. Aber auch die Aktiengesellschaften selbst tun oft herzlich wenig, um den dadurch verunsicherten Anteilseignern zu helfen.

Im Halbjahresbericht des drittgrößten deutschen Chemiekonzerns, der BASF, heißt es auf der ersten Seite, daß die zu versteuernden Gewinne, von denen nicht zuletzt die nächste Dividende abhängt, im ersten Halbjahr um nicht weniger als 40,3 Prozent zurückgegangen sind. Nach dieser kalten Dusche wird jedoch auf der anderen Seite getröstet: Im zweiten Vierteljahr sei das Ergebnis besser gewesen als in den beiden vorhergegangenen Quartalen. Die Ursachen für die unterschiedlichen Ergebnisse erfährt der Aktionär jedoch mit keinem Wort; er kann sich je nach Stimmung aussuchen, was ihn erwartet: Aufschwung oder Dividendenkürzung.

Vergleicht man die Vierteljahresergebnisse, so hat die BASF im zweiten Quartal rund 50 Prozent mehr verdient als im ersten. Bleibt der Gewinn auch in der zweiten Jahreshälfte auf dieser Höhe, so brauchte die BASF die Dividende nicht zu senken. Es bleibt ein Geheimnis der Verwaltung, warum sie ihre Aktionäre nicht aus dem Wechselbad von Optimismus und Pessimismus erlöst. mh