Von Hermann Bößenecker

Eine Zeitungsanzeige brachte die beiden Männer zusammen: Max Grundig, den 63jährigen Alleinherrscher über Deutschlands größten Konzern der Unterhaltungselektronik, und den 46jährigen Dr. rer. pol. Hans Griesmeier, der in der Fürther Konzernzentrale künftig an Grundigs Stelle das Regiment führen soll.

Die beiden Männer waren zwar seit mehr als zehn Jahren gut miteinander bekannt, nur: „Herr Grundig wußte nicht, daß ich mich verändern wollte,“ Griesmeier, gelernter Volkswirt und Elektrotechniker, dirigierte vom oberfränkischen Kronach aus als Generaldirektor die Loewe Opta GmbH., Berlin, ein mit dem holländischen Philips-Konzern verbundenes Unternehmen.

Am 1. September wechselt Griesmeier zur Grundig-Geschäftsleitung nach Fürth über. Am 1. April 1972 soll er Vorstands Vorsitzender der neuen „Grundig Werke AG“ werden.

Mit dem Wechsel hat Max Grundig wieder einmal für ein Thema beim ausgiebigen Branchenklatsch auf der internationalen Funkausstellung gesorgt, die in dieser Woche in Berlin eröffnet wurde. Anscheinend widersprüchliche Äußerungen hatten schon in den letzten Monaten immer neue Gerüchte innerhalb der Branche provoziert.

„Ich denke nicht daran, bis an mein Lebensende zu schuften“, erklärte er Anfang des Jahres und bereitete den Wachwechsel an der Spitze vor. Als man jedoch flüsterte, Grundig wolle verkaufen, zumindest Anteile an seinem Unternehmen, pochte er mit einer Presseerklärung „in eigener Sache“ auf seine Kompetenzen: „Alles in allem möchte ich betonen, daß sämtliche Maßnahmen für die Zukunft von mir in voller eigner Handlungsfreiheit geführt werden. Ich sehe auch keine Veranlassung, in den nächsten Jahren das Prinzip der persönlichen Entscheidungsfreiheit zu verlassen.“

Für die Zukunft des bislang wie ein Familienunternehmen geführten Konzerns hat der fränkische Selfmademan mit der Gründung der „Max-Grundig-Stiftung“ vorgesorgt, die künftig das Kapital der Aktiengesellschaft halten soll. Als Stiftungsvorsitzender auf Lebenszeit übernimmt er dann den Vorsitz im Aufsichtsrat der Grundig Werke AG.