Der durchschnittliche Kursanstieg der deutschen Aktien seit Jahresbeginn um rund 8 Prozent verbirgt die unterschiedliche Entwicklung, die einzelne Papiere in diesem Jahr genommen haben. Es ist sehr „gezielt“ angelegt worden. Damit wird auch in den nächsten Wochen zu rechnen sein.

Auf der Favoritenliste stehen trotz des Kursanstiegs um etwa 20 Prozent noch immer die Bankaktien. Einzelne Banken haben ihre Erträge gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres in etwa halten können. Wenn die Rentenkurse bis zum Jahresende weiter steigen, vermindert sich der Abschreibungsbedarf auf die Portefeuilles der Kreditinstitute. Damit wären trotz der Kostenexplosion gute Banken-Abschlüsse für 1971 in Sicht.

Der in Aussicht stehende sinkende Zins wird nach Ansicht vieler Börsianer die Bautätigkeit beleben. Davon werden nicht nur die Bauunternehmen selbst profitieren, sondern auch die Hypothekenbanken, deren Geschäftsvolumen wieder wächst. Die Bauherren verlieren die Furcht vor hohen Zinsen; sie lernen es, mit der Geldentwertung zu leben.

Bei den Warenhaus-Aktien stören zwar die schon erreichten hohen Kurse. Aber schließlich gehören die Warenhäuser zu den Aufwertungsgewinnern. Es kann billiger importiert werden. Bei Horten hatten die Eigenimporte 1970 einen Anteil von 19 Prozent am Gesamtumsatz. Im I. Halbjahr 1971 ist der Anteil auf 34 Prozent erhöht worden. Diese Linie, wird bis zum Jahresende durchgehalten. Das wird mit Sicherheit auch der Ertragsrechnung zugute kommen. K. W.