Iserlohn

Die Indizienkette scheint lückenlos, aber der, den die Polizei für den Iserlohner Liebespaarmörder hält, schweigt. Bei den Verhören im Hammer Gefängnis konnte der Staatsanwalt bisher, nur die Lebensgeschichte des 22jährigen Rolf Assmann im Stenogramm aufnehmen. Die Aussagen „zur Sache“ schreibt Assmann selber auf. Ob diese Zellen-Notizen allerdings ausreichen, daß sein Rechtsanwalt Haftbeschwerde einlegen kann, wird schon jetzt bezweifelt. Es bestehen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr, da der der Tat mitverdächtige Assmann-Freund Volker Bendig, 17 Jahre alt, keine Auskunft mehr geben kann: Er kam bei einem Mopedunfall ums Leben.

Auskunft aber gab Bendigs ein Jahr ältere Freundin Monika Muscheiko, vordem mit Assmann liiert. Sie kam in Gestalt des „Kommissars Zufall“ der Polizei zu Hilfe und brachte Licht in das Dunkel der Ermittlungen um einen der brutalsten Morde in der deutschen Kriminalgeschichte. Monika Muscheiko: „Rolf hat zu mir gesagt: ‚Geh zur Polizei und hol dir die Belohnung. Ich bin der Liebespaarmörder

Nach dieser Aussage brachen auch jene ihr Schweigen, die zuvor aus Angst geschwiegen hatten. Sie schildern Assmann als einen Mann, der mit Gewalt nahm, was er wollte, als einen, der schon früher in „Sammelverfahren“ vor dem Richter stand, als häufigen Besucher der Leichenhalle auf dem Iserlohner Friedhof, als einen, der Menschen anschoß.

Während die Öffentlichkeit mit dieser kriminellen Vergangenheit konfrontiert wird, warten die Staatsanwaltschaft auf ein Geständnis und Assmanns Ex-Freundin auf die Belohnung von 37 000 Mark. Denn die Mutter des jetzt einjährigen Assmann-Sohnes Michael war es, die den heißen Tip gab, als die Sonderkommission mit ihrem kriminalistischen Latein am Ende schien. Ob und wann Monika Muscheiko die Belohnung erhält, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft „erst dann diskutabel, wenn Assmann als Täter absolut feststeht“.

Dieser aber schweigt und schreibt an einer Rekonstruktion des Tages, an dem der vierfache Mord geschah. Für achtzig Minuten hat Assmann nach polizeilichen Ermittlungen kein Alibi, achtzig Minuten, in denen am 26. Juni vier Menschen auf einem Schießplatz erschossen wurden.

Rosemary Callmann