Feuilleton

Wo Augen und Ohren prassen

Es war ein komisches, aber auch ein melancholisches Bild und symbolisch obendrein: wie fünfundfünfzi

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DIE ZEIT

Gegenzug

Wo amerikanische Staatsmänner nach Peking und chinesische Generäle nach Bukarest reisen, wollen auch die Russen nicht rasten: Präsident Podgorny hat seinen Besuch in Hanoi angesagt.

Plump und billig

Es war ein willkommener Zufall für die Bonner Opposition, daß der spektakuläre Bankraub samt Geiseltod in München mit der Veröffentlichung der jüngsten Kriminalstatistik für die Bundesrepublik zusammenfiel: Sie stellt ’ne Zunahme der Gewaltverbrechen im Jahre 1970 fest.

Seelenverkäufer

Die schnoddrige Antwort von Dimitrios Antipas, Kapitän des ausgebrannten Fährschiffes „Heleanna“, spricht für sich: „Das sind Dinge, die eben passieren.

Das Währungschaos

Je mehr Länder sich in den letzten Tagen und Wochen entschlossen haben, den Kurs ihrer Währung gegenüber dem Dollar freizugeben, desto stärker sieht sich Bonn in seiner Währungspolitik bestätigt.

Mit breiten Schultern für die DDR

Es war Ende November 1963 im alten DDR-Außenministerium in der Ostberliner Luisenstraße. Ich war durch die Mauer hinübergefahren, um Otto Winzer zu interviewen, damals stellvertretender Außenminister, inzwischen Außenminister.

ZEITSPIEGEL

Neben dem Berlin-Abkommen gab es in der vorigen Woche auch noch einen anderen innerdeutschen Durchbruch. Die DDR, auf deren Territorium der größte Teil des früheren preußischen Gebietes liegt, hatte Besuch aus dem Hause Hohenzollern.

Die Wende am vierzehnten Loch

Die Bonner Auguren rätseln noch darüber, was für das erfolgreiche Zustandekommen der Berlin-Verhandlungen den Ausschlag gegeben hat: der deutsch-sowjetische Vertrag oder das Junktim zwischen diesem Vertrag und einer Berlin-Regelung.

Wenn die Berliner Rechnung aufgeht

Hoffnung und Skepsis halten sich die Waage in Berlin. Die Befürworter des ausgehandelten Rahmentextes für ein Berliner Abkommen hüten sich, lauthals zu jubeln.

Was sie früher sagten

Vor einem Jahr, im September 1970, hat die CDU/CSU der Bundesregierung ihre Vorstellungen von einem befriedigenden Berlin-Abkommen unterbreitet.

Vier im Friedens-Jeep

Die amerikanische Regierung hat das Zustandekommen einer Viermächte-Vereinbarung über Berlin lange und nachdrücklich als „Prüfstein“ für die Absichten der Sowjetunion in Mitteleuropa charakterisiert.

Wolf sang Ebert:: Die im dunkeln tappen

Uns sagt man ja nichts“, beklagte sich Herr St., MdB, einer der CDU-Hinterbänkler, den ich in seinem Sylter Strandkorb aufsuchte, um ihn nach dem Stand der Berlin-Dinge zu befragen.

Briten im Zwiespalt

Aus zwei Gründen hat es gegenüber der Berlin-Regelung wie überhaupt gegenüber der Bonner Ostpolitik in Großbritannien außer Zustimmung stets auch Zweifel gegeben: Zum einen hat die Londoner Regierung seit Macmillan keinen sonderlichen Ehrgeiz verspürt, mit Moskau zu politischen Vereinbarungen zu kommen und dafür etwa – wie de Gaulle es tat – die Preisgabe der deutschen Ostgebiete zuzusagen; auch ist der Draht zu den Sowjets schon seit langem eingerostet.

Skepsis an der Seine

Der Zufall wollte es, daß das Berlin-Abkommen und die internationale Währungsdiskussion zeitlich zusammenfielen. Den Franzosen bot sich so die günstige Gelegenheit, die deutsche Entwicklung aus doppelter Perspektive zu betrachten.

Zwischen Baum und Borke

Rumänien liegt noch immer in der ungemütlichen Gefahrenzone eines sowjetischen Wut- und Gewitterausbruches. Zwar ist es nicht gewiß, daß eine Strafaktion des Kremls gegen Bukarest kommt, doch läßt es sich auch noch nicht ausschließen.

Der Pakt auf dem Papier

Fünfmal bereits schlossen sich arabische Staaten zu Föderationen zusammen, und jedesmal hielt die Ehe nur kurze Zeit: drei Jahre immerhin Ägyptens Bund mit Syrien, nur wenige Monate die anderen.

Abgesang auf die Panther?

Bei zwei Bombenanschlägen wurden am Wochenende die Büros der staatlichen Gefängnisverwaltung in San Franzisko und in der kalifornischen Landeshauptstadt Sacramento schwer beschädigt.

Hellas muß weiter gehorchen

Georgios Papadopoulos bleibt der starke Mann in Athen. Der Offizierspremier hatte sich vorige Woche zu einer sommerlichen Kabinetts-Schüttelkur entschlossen, aber Demokratie ist dabei nicht herausgekommen.

Volleyball mit Castro

Die Parallele drängt sich auf: Im April empfingdie Volksrepublik China die amerikanische Tischtennis-Nationalmannschaft. Drei Monate später erfuhr die überraschte Welt, daß Nixons Berater Kissinger in Geheimgesprächen in Peking den Besuch seines Präsidenten vorbereitet hatte.

Zerreißprobe in Rom

In die trügerische Sommerruhe der italienischen Innenpolitik sind dramatische Worte gefallen. Am Ende eines Requiems zum 17.

Der Tod aus dem Filter

In der Hamburger Universitäts-Klinik rieselten Bakterien auf den Operationstisch

Golgatha an der Autobahn

Zu einem ungewöhnlichen deutsch-polnischen Kulturaustausch engagierte das Zweite Deutsche Fernsehen den Regisseur Andrzej Wajda: Seit Anfang August dreht er für das ZDF in der Bundesrepublik den Farbfilm „Pilatus“.

Weder verwandt noch verschwägert

Von einer ausgedehnten Ostasienreise heimgekehrt und in Frankfurt gelandet, begab sich Ministerpräsident Heinz Kühn nicht sofort nach Köln in die Arme seiner Ehefrau Marianne, sondern noch mitten in der Nacht zuerst nach Bonn in den Schoß der Partei.

Dom und Karneval reichen nicht

An Köln geht alles vorbei“, klagen die Kölner und zeigen auf eine wunde Stelle: Die Domstadt droht in Schulden zu ersticken, kommunale Baupläne können wegen Geldmangels nicht verwirklicht werden – und zu alledem kommt noch eine in sich zerstrittene SPD.

Am Rande der Revolution

Nach der überaus spärlichen Beachtung in Literatur und Publizistik zu urteilen, liegt Lateinamerika am "äußersten Rand" unseres Planeten.

Dokumente der ZEIT

„Die Regierung der UdSSR erklärt, daß Durchgangsverkehr über Straße, Schiene und Wasserweg durch das Territorium der DDR von Zivilpersonen und Gütern zwischen den westlichen Sektoren von Berlin und der Bundesrepublik Deutschland unbehindert sein wird; daß solcher Verkehr vereinfacht wird, damit er in der einfachsten und schnellsten Weise vor sich geht und er bevorzugt wird.

Krisen-Herde

Anhaltende Monsunregen haben in Westbengalen neue Schwierigkeiten geschaffen. Über 600 000 Inder mußten vor Überschwemmungen flüchten; die Zahl der Toten und der Sachschaden sind noch nicht zu übersehen.

Peking: Keine Konzessionen

Der chinesische Ministerpräsident Tschu En-lai hat in der vergangenen Woche noch einmal betont, daß Peking in Indochina gegenüber den USA zu keinen Konzessionen bereit sei.

Athen: Neues Kabinett

Der griechische Ministerpräsident Georgios Papadopoulos hat Mitte letzter Woche seine Regierung umgebildet. Dem um mehrere Ressorts verkleinerten Kabinett gehören sieben neue Minister und zehn neue Staatssekretäre an.

Saigon: Mehrheit für Thieu

Die südvietnamesischen Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag haben, wie erwartet, den Anhängern des Staatspräsidenten Nguyen van Thieu eine solide Mehrheit im neuen Abgeordnetenhaus gebracht.

Tschad: Putsch gescheitert

In der afrikanischen Republik Tschad ist am Freitag nach Angaben des Rundfunksenders in der Hauptstadt Fort Lamy ein Putschversuch gescheitert.

Schwere Vorwürfe nach Brandkatastrophe

26 Tote und 270 Verletzte – das ist die traurige Bilanz des schweren Brandes auf dem griechischen Fährschiff „Heleanna“, das am Samstag auf der Höhe von Brindisi in Brand geraten war.

Die Sowjetunion verstärkte ihre Rüstung

Die Sowjetunion hat ihr Raketenpotential zu Land und Wasser systematisch ausgebaut und wird, das bisherige Bautempo vorausgesetzt, die Vereinigten Staaten auch auf dem Sektor der U-Boot-Raketen im Jahre 1974 eingeholt haben.

Berlin-Entwurf begrüßt

Die Bundesregierung und der Senat von Westberlin bereiteten sich in der vergangenen Woche auf das innerdeutsche Berlin-Gespräch vor.

Geburtsanzeige für ein Medium

Der Name immerhin scheint etabliert: Die Sache heißt nunmehr Audiovision (oder kurz AV) und nicht mehr falsch „Kassettenfernsehen“.

Lernschritte in Fernseh-Kultur

Von den drei schwachen Beiträgen des Kulturmagazins „Titel, Thesen, Temperamente“ am Freitagabend letzter Woche war der Bericht über die olympische Kunst in München noch der stärkste.

Kunstkalender

Werner Haftmann, der seit den dreißiger Jahren mit Merveldt befreundet war, eröffnete diese erste Ausstellung des Gesamtwerks.

Auf den Dackel gekommen

Vom Fest der Heiterkeit sprechen die Offiziellen, wenn es gilt, Olympia ’72 in München zu charakterisieren. Von den Tränen, die beim Fest der Heiterkeit dann fließen werden, werden uns die Sportreporter zu berichten wissen.

Ein Wiener Lehrstück

Erstens. Generell und vielerorts, in New York, in Düsseldorf, aber auch in Wien, macht sich bei Künstlern, Kunstmanagern und Ausstellungspraktikern die Tendenz bemerkbar, die gewohnte Distanz zwischen Kunst und Leben aufheben oder wenigstens verkürzen zu wollen.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Engel der Gejagten“ (USA 1951), von Fritz Lang (ARD am 4. September), gehört zu den noch immer unterschätzten Filmen aus Langs später amerikanischer Phase.

ZEITMOSAIK

Wird, was lange währt, nun endlich gut? Das Tauziehen um die Leitung des Internationalen Design Zentrums (IDZ) hat mit der Einstellung des Schweizer Architekten François Burkhardt ein vorläufiges Ende gefunden.

Man trägt wieder Seele

Früher kamen sie aus Odessa, jetzt kommen sie halt aus Tel Aviv. Wir können uns vor Geigern nicht retten. Ich hatte eine Konzertmeisterstelle zu besetzen; dreißig Musiker bewarben sich, einer besser als der andere.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: Blaßblaue Welt mit Gedränge

Unter den Kolonnaden des altehrwürdigen Britischen Museums kriselt es wieder in diesem Sommer. Die Leitung einer der größten Bibliotheken der Welt hatte vor einem Jahr ein Rundschreiben an 162 Universitäten in Europa, Amerika und Australien gerichtet, worin Hochschullehrer und andere an der Forschung Interessierte gebeten wurden, im Sommer dem Museum fernzubleiben.

Unser Seller-Teller August 1971

DDR: Seghers, „Überfahrt“; Wolfe, „Schau heimwärts Engel“; Marx/Engels, „Tagebuch der Pariser Kommune“; Dallmann/Elster, „Einführung in die höhere Mathematik für Naturwissenschaftler und Ingenieure“; Autorenkollektiv, „Wir werden es erleben“ (laut Literaturbeilage des Neuen Deutschland 8/71).

Dichter mit gewaltiger Lunge

Wie soll es weitergehen, wenn es gleich am Anfang mit geradezu feierlichem Ernst unter der Kapitelüberschrift „Einübung oder was ich über Lyrik weiß“ folgende Fakten festhält: „René Char besitzt am Rand von L’isle-sur-Sorgue ein weißes Haus mit Kirschbäumen und einem Lavendelfeld.

Groß, größer, am größten

Größe ist wieder und mehr denn je gefragt. Was groß – und deswegen begehrenswert – ist, verrät das Werbefernsehen: das „große Aroma“ eines Kaffees, ein „großer Wein“, ein Erfrischungsgetränk mit „großem Geschmack“.

ZU EMPFEHLEN

Eine Dokumentation: Amerikanische Katholiken und Protestanten unter der Führung der Jesuiten Philip und Daniel Berrigan im Kampf gegen Rassismus und Militarismus – „Verzeiht, daß wir Personalakten statt Kinder verbrennen“.

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