Lieber Freund, so weit Allah und Jahwe reichen, gibt es Palmen und Kamele. Dort ist der Himmel flach, er spannt sich weit über die Erde. Kein Himmel für einen steilen Start. Er wölbt sich barmherzig über Juden und Araber. Wird je ein Gotiker solchen Himmel verstehen? Vergebens haben meine Ahnen aus dem Buch der Bücher vorgelesen! Haben wir diesen Himmel bei Marx wiedergefunden? Aber was weiß ein Europäer von den hundert Namen der Kamele..Das Buch heißt "Nun sprechen die Kamele", Grieshaber hat es zusammen mit dem Tunesier Brahim Dahak gemacht, der in der Oase El Ksar in Gafsa zu Hause ist. Der Tunesier hatte in seiner Heimat Grieshaber-Holzschnitte gesehen, er war gleich zur Achalm gefahren, um bei Grieshaber zu lernen. Grieshaber nahm ihn an, sie einigten sich auf das gleiche Thema. Beide schnitten sie Kamele, aber nicht in Holz, weil es das in Tunesien nicht gibt und Brahim Dahak bisher nur in Linoleum gearbeitet hatte. Auch Grieshaber entschloß sich, aus Achtung vor seinem Gast, zum Linoleum: eine hochherzige Geste für den passionierten Holzschneider. Er hat dem Gast sogar noch größere und etwas zuviel Ehre erwiesen, indem er dessen Linolschnitte neben seine eigenen placierte, aber man kann nicht umhin festzustellen, daß sie. künstlerisch eben doch nicht die gleiche Sprache sprechen. Das Buch, das im Claassen Verlag erschienen ist (64 Linolschnitte, mit deutschen und französischen Texten; 80,– DM), wurde von den Autoren U Thant gewidmet; sie verstehen ihr Gemeinschaftswerk als einen Beitrag zur aktuellen Politik, sie wollen mittels der Kamele ihre Ansicht über den jüdisch-arabischen Konflikt äußern. Kamele sprechen nicht hebräisch und nicht arabisch, sie predigen Geduld und Verträglichkeit.

Gottfried Sello