Wirtschaft

Wolfsburg sieht rot

Am Donnerstag der vergangenen Woche meldete eine Münchner Zeitung den Rücktritt von VW Chef Kurt Lot

Datenbank im Bücherschrank

Management Enzyklopädie. Das Managementwissen unserer Zeit, 6 Bände. Band IV: 1371 Seiten, 165 — DM. Verlag moderne Industrie, München.

+ Weitere Artikel anzeigen

Feuilleton

Filmtips

„Vier im roten Kreis", von Jean Pierre Melville. Melville, Gaullist und der amerikanischste unter den französischen Regisseuren, verbindet das Standardthema des französischen Gangsterfilms — die Männerfreundschaft — mit buddhistischen Sentenzen.

+ Weitere Artikel anzeigen

DIE ZEIT

Deutscher Schlagabtausch

Die Verhandlungen mit der DDR über die Ausfüllung des Berliner Rahmenabkommens sind auch nach dem jüngsten Gespräch zwischen Bahr und Kohl noch nicht über ihr Anfangsstadium hinausgekommen.

Sorge um Wolfsburg

Durch seinen spektakulären Rücktritt hat es Kurt Lotz seinen Gegnern leicht gemacht, nun alle Schuld an den Schwierigkeiten, in denen sich das größte Unternehmen der Bundesrepublik befindet, auf ihn abzuladen (Seite 25: Wolfsburg sieht rot).

Wo ist Bormann?

Wenn man jetzt die Bild-Zeitung zur Hand nimmt, dann kann man dort Professor Barnards Herz schlagen hören: Fast hat es den Anschein, als seien Kapstädter Herzen nur verpflanzt worden, damit die Auflage von Bild höher schlägt.

Warum die Russen reisen

Die sowjetischen Führer werden Jugoslawien, Algerien, New York, Kanada, Frankreich, Dänemark, Norwegen und Nordvietnam besuchen.

Vor leeren Kassen

Der Eklat ist ausgeblieben. Mit dem Haushaltsplan für das nächste Jahr ist die Bundesregierung um den Konkurs, der ihr prophezeit worden war, herumgekommen.

ZEITSPIEGEL

„Es wäre ein Fehler zu vergessen, daß an der Grenze, die Deutschland von Lübeck bis Hof teilt, nicht erst geschossen wird, seit Willy Brandt Bundeskanzler und Walter Scheel Außenminister ist.

Der Streiter für Berlin

Kenneth Rush, der amerikanische Botschafter in Deutschland, hat in letzter Zeit mehr Schlagzeilen gemacht als die meisten Hollywood-Stars.

,,Auch wir wollen mehr Demokratie“

Nikita Sergejewitsch Chruschtschow war groß im Reisen und im Reden. In den Jahren zwischen dem ungarischen Aufstand und seinem Sturz ließ er keine Gelegenheit ungenutzt, den Zuhörern seine Thesen einzuhämmern, die so originell wie widersprüchlich und zuweilen auch weltbewegend waren.

In Moskau wurde Nikita Sergejewitsch Chruschtschow zu Grabe getragen – ein Staatsmann, der die Welt verändert hat Wie Kennedy und Johannes XXIII. stand er am Beginn einer neuen Epoche der Geschichte. Doch nicht an der Kreml-, sondern hinter einer Klostermauer wurde er beigesetzt. Die Partei schickte nur einen Kranz.: Ein Mann des Aufbruchs

Einmal, da war er noch im Amt, war die Nachricht von seinem Tode der üble Scherz eines Unbekannten. Damals, 1964, ein halbes Jahr vor seinem Sturz, hielt die Welt für einen Augenblick den Atem an, denn Nikita Sergejewitsch Chruschtschow schien gerade im Begriff, die Sowjetunion nach seinen Erfahrungen mit der Kubakrise in eine neue Phase vernünftiger Absprachen mit dem Westen zu steuern.

Das Urteil der Zeitgenossen

„Kennedy hielt Chruschtschows Ablehnung des Atomkrieges für ehrlich gemeint; jede andere Haltung wäre in seinen Augen Wahnsinn gewesen .

Strafe auf Verdacht?

Der Münchner Bankräuber Hans Georg Rammelmayr hat sich postum um Recht und Ordnung verdient gemacht. Eine neue Welle der Kriminalitätsfurcht läuft seit Wochen durch das Land.

Zwei Deutschlands in die UN?

Mitglied der Vereinten Nationen können alle sonstigen friedliebenden Staaten werden, welche die Verpflichtungen aus dieser Charta übernehmen und nach dem Urteil der Organisation willens und fähig sind, diese Verpflichtungen zu erfüllen.

Gigantisch

Willi Daume, der Organisator der Münchner Olympiade, steht nicht im Rufe, ein Phantast zu sein. Zuweilen zeichnet ihn sogar Nüchternheit aus, wie unlängst, als er vor dem Exekutivausschuß des Internationalen Olympischen Komitees sprach.

Streit um Worte

Noch rechnet bei den Westmächten niemand ernsthaft mit einem Scheitern der deutschen Verhandlungen. Aber wenn es so weit käme, könnte auch das Abkommen über Berlin vorerst nicht wirksam werden.

"Black Panther" in Jerusalem

Drei Schlachten hat Israel, der knapp 23 Jahre alte Judenstaat, im Kampf gegen die Araber schon gewonnen. Erst seit einem Jahr herrscht an den Fronten Waffenstillstand.

Nur 15 Monate

Es war zu erwarten, daß der Entschluß der Bundesregierung, den Wehrdienst von 18 auf 15 Monate zu verkürzen, keinen ungeteilten Beifall finden würde.

Heikles Angebot

Die Finnen werden mitunter als Meister der Diplomatie gepriesen. Doch diesmal, so scheint es, hat der sonst so tüchtige Jäger im lappländischen Tunturis, Staatspräsident Urho Keckonen, einen kapitalen diplomatischen Bock geschossen: Der finnische Vorschlag an die Regierungen in Bonn und Ostberlin, gleichzeitig mit beiden deutschen Staaten über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, über den Austausch von Gewaltverzichtsabkommen und über Reparationszahlungen zu verhandeln, wurde offensichtlich zu früh und ohne Vorwarnung losgelassen.

Triumph der Tupamaros

In einem Vorort der uruguayischen Hauptstadt Montevideo klingelte es am vergangenen Freitagabend an einer Kirchentür. Als der Priester öffnete, stand vor ihm ein Mann, der eine Binde vor den Augen trug: Für den britischen Botschafter Geoffrey Jackson war die Gefangenschaft in einem „Volksgefängnis“ der Tupamaros zu Ende.

Wie rot sind Epplers Emissäre?

Der Streit wird, wie könnte es in der Bundesrepublik anders sein, mit schwerem ideologischem Geschütz ausgetragen. Da sind auf der einen Seite die Kritiker, die behaupten, „daß innerhalb des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) eine Tendenz Oberwasser erhielt, die die Entwicklungshelfer zu rosaroten Missionären umfunktionieren wollte“ (Die Welt).

Wenn Richter schlafen...

Als Rudi Dutschke am 22. Februar 1968 aus Berlin kommend auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen eintraf, nahmen ihn mißtrauische Polizeibeamte sofort in amtliche Verwahrung.

Statthalter der Kapitalisten

Die Münchner SPD hatte auf einem Parteitag am vergangenen Samstag Juso-Probleme. Der Münchner Parteichef Hans-Jochen Vogel warnte die Jungsozialisten vor weiteren „Angriffen aus dem Hinterhalt“.

Wie Marlon Brando

Er ist elegant, sportlich, sieht gut aus, ein Mann von bester Gesundheit und von einer nervlichen Konstitution, die beneidenswert erscheint.

Den Alten zu links

Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, daß die SPD sich nun endgültig vom Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB) trennen will.

Neuer OB für Hannover: „Papa Gnädig“ tritt zurück

Plötzlich ist die Situation da. Hannovers Sozialdemokraten müssen sich entscheiden, ob sie lieber einen 28jährigen Jungsozialistenboß oder einen gestandenen Gewerkschaftsfunktionär an die Spitze ihres Stadtparlaments stellen wollen.

Papa wird’s scho richten

Hieße er Müller oder Obermeier, wäre er wohl in aller Stille durchgefallen. Aber er heißt Eberhard, mit Vornamen Jörg, und als die Prüfung für das Diplom eines Volkswirts an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München schiefgelaufen war, gelangte der schöne Wiener Song zu praktischer Anwendung: „Da Papa werd’s scho richten, das g’hört zu seinen Pflichten.

Hamburg 1159

„Wir sollten nicht zu lange und vor allem nicht in gekrümmter Haltung vor dem Gerät sitzen. Der Abstand zwischen Zuschauer und Bildschirm sollte mindestens zweieinhalb bis drei Meter betragen.

Zu Gast bei Gastarbeitern

Fünfzig Stuttgarter Bürger wollen nicht länger mehr mit ansehen, wie Gastarbeiter unter ihnen leben: wie sie – inzwischen zwei Millionen – den Bundesbürgern die schwersten und schmutzigsten Arbeiten abnehmen, um am Feierabend in einer kleinen Bude bestenfalls auf die Mattscheibe zu starren.

Hochverrat am europäischen Geist

Welcher Wahn hat einen so intelligenten und im Grunde integren Mann wie Ernst Jünger verführt, sich zeitweilig Hitler zu verschreiben und die Intellektuellen Deutschlands zum „Hochverrat des Geistes gegen den Geist“ aufzufordern? Welche mörderische Kurzsichtigkeit hat einen so toleranten Denker wie Martin Heidegger verleitet, dem Rattenfänger aus Braunau zu folgen? Es waren dieselben Ursachen, die Giovanni Gentile zum Philosophen des Faschismus machten und Drieu La Rochelle, der lange zwischen Kommunismus und Faschismus schwankte, zum Archetyp des intellektuellen Kollaborateurs werden ließen: das traumatische Erlebnis des wirtschaftlichen und sozialen Chaos, Zweifel an der Lebensfähigkeit einer weitgehend korrupten Demokratie und die Illusion eines nationalen Wiederaufstiegs, die vagen politischen Konzepten und dem Mythos der Stärke entsprang.

Staatslexikon: Mehr Offenheit

„Staatslexikon. Recht, Wirtschaft, Gesellschaft“; hrsg. von der Görres-Gesellschaft. 11 Bände. Verlag Herder, Freiburg, 1957–1970.

Leo Trotzkij als Antifaschist

Noch immer weitgehend unbekannt sind hierzulande die Schriften Leo Trotzkijs.Ihm widerfuhr doppeltes Unrecht, im Osten wie im Westen, dort mehr als hier.

Dokumente der ZEIT

„Wir Liberalen haben es weiß Gott schwer. Nicht nur hier in Bayern, wo wir uns gegen den wütendsten Widerstand der CSU in den Landtag hineingearbeitet haben, sondern auch im gesamten Bundesgebiet, wo die Union in der letzten Zeit ihre deutschtümelnden Demagogen dazu gebraucht, überall herumzuschreien, daß die Nation verraten, verkauft und verschenkt würde, daß diese freie Gesellschaftsordnung, die wir Freien Demokraten 1949.

Krisenherde

In Ostpakistan droht eine Hungerkatastrophe bisher noch nicht vorstellbaren Ausmaßes. Eine amerikanische Ärztegruppe hat nach einer Reise durch das verwüstete Land festgestellt, daß die Auswirkungen der letzten großen, Hungersnot im Jahre 1943, bei der drei Millionen Menschen ums Leben gekommen waren, noch weitaus übertroffen werden können.

Bundeswehr: Weniger Wehrdienst

Der Grundwehrdienst in der Bundeswehr soll vom 1. Januar 1972 an um drei Monate auf 15 Monate verkürzt werden. Diese Entscheidung traf das Bundeskabinett in der vergangenen Woche, nachdem die Nato-Verbündeten ihre Zustimmung gegeben hatten.

Zähes Ringen Bahr-Kohl

Die dritte Runde des innerdeutschen Gesprächs zwischen Staatssekretär Egon Bahr und Michael Kohl vom DDR-Ministerrat ist am Dienstag abend nach nur neunzig Minuten Dauer abgebrochen worden.

Moskau: Chruschtschow tot

Der frühere sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow ist am vergangenen Sonnabend in einem Moskauer Krankenhaus gestorben und am Montag beigesetzt worden.

Finnischer Vorstoß

Die finnische Regierung hat am Wochenende Bonn und Ostberlin vorgeschlagen, Verhandlungen über die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen aufzunehmen.

Dann gehn die Lider nieder

Mit Rosen rot und silbern hemmungslos verwöhnt, in überschwenglichen Umarmungen an alle Formen von Busen gedrückt und halb zerdrückt, die Wangen voller heißer Küsse – Karel Gott, jetzt nur noch Pausbäckchen und Chlorodontgebiß, strahlt und sagt atemlos und sammetweich: "Ich bin wirklich happy.

Zu spät

Die Erdbevölkerung nimmt unaufhaltsam zu. Der Lebensraum hingegen vergrößert sich nicht. Folglich wird einmal die Grenze der Tragfähigkeit unseres Planeten für Menschen erreicht sein.

Eine runde Katastrophe

München bleibt Provinz, formulierte das Abschlußmanifest der Kunstzonen-Künstler, das letzte Blatt eines großen Papierkrieges, der die „Erste freie Produzentenmesse“ begleitete.

Kunstkalender

Andere Städte machen so etwas in der Stille ab und möglichst in der Weihnachtszeit, eine Jahresschau der ortsansässigen Künstler, Pflichtübung des Kulturdezernenten, ein bestenfalls lokales Ereignis, an dem nur die Angehörigen der beteiligten Künstler Freude haben.

Der gute Wille zur Reform

Wir hatten Thilo Koch, den wir als einen liberalen Geist kennen und schätzen, gefragt, was ihn denn veranlaßt haben könnte, sich zum Sprecher einer „Initiative 218“ zu machen, die von einigen ihrer eher konservativ bestimmten Gründer offenbar als Gegenposition zur radikal-liberalen „Aktion 218“ verstanden wird.

Frauen-Angst und Männer-Mut

Während Bundesjustizminister Jahneine gründliche Revision des Paragraphen 218 in kleiner Münze verscherbelt und, erschöpft durch die permanente Springprozession, zum guten Ende dann die Sache an den (Partei)Knöpfen abzählen und alles beim Beinahe-Alten belassen könnte, während all dem also, was hier nicht passiert, steigen dort andere groß in das Geschäft mit dem Abtreibungsparagraphen ein.

Arrabals Abrechnung

Fünfzig Jahre nach Buñuels „L’Age d’Or“ und „Un Chien Andalou“ hat sein Landsmann Fernando Arrabal mit dem Film „Viva la muerte“ wieder eine Kampfansage an sein Heimatland gerichtet und dabei seinen Vorgänger um einiges an Aufwand, Symbolik und surrealistischer Exzentrik übertroffen.

Auf Pasolinis Spuren

Manche nennen „Ostia“ von Sergio Citti „den besten Pasolini, den es je gab“. Pier Paolo Pasolini hat am Drehbuch mitgearbeitet, und auch der Stoff, so heißt es, sei von ihm; Citti war ja lange Zeit bei Pasolini Assistent.

+ Weitere Artikel anzeigen