Der Wechsel provoziert geradezu die Suche nach hintergründigen politischen Motiven. Staatssekretär Günter Wetzel, bisher höchster Beamter im Ministerium für Innerdeutsche Beziehungen, tritt die Nachfolge des aus Altersgründen ausscheidenden Staatssekretärs Birckholtz im Verteidigungsministerium an. Wetzel kommt aus einem Ministerium, das manche schon auf dem Aussterbeetat stehen sehen, und er zählt zu den Kritikern der Ostpolitik im Regierungslager.

Wetzel ist ein Mann, der nach den üblichen Maßstäben als Konservativer gilt: den Interessen des Staates verpflichtet und nicht gerade pingelig, wenn es gilt, sie durchzusetzen. Manchmal die Grenze zwischen Deutlichkeit und Ruppigkeit überschreitend, gilt der Oberstleutnant der Reserve gleichwohl als exzellenter Verwaltungsfachmann. Mit seinem bisherigen Minister, Egon Franke, verband ihn eine herzlich erwiderte persönliche Abneigung. Helmut Schmidt setzt auf seine fachliche Tüchtigkeit.

Weit interessanter als die Tatsache, daß ein Kritiker der Ostpolitik Staatssekretär auf der Hardthöhe wird, ist die Frage, welche Funktion künftig das innerdeutsche Ministerium haben soll. Gegenwärtig führt es eine Kümmerexistenz im Schatten des Kanzleramts, in seinem Titel bis 1973 wohl nicht bedroht, aber als politisches Entscheidungszentrum weitgehend lahmgelegt. Die Deutung, der Staatssekretär habe ein sinkendes Schiff verlassen, mag übertrieben sein; die Interpretation indes, es sei wenig verlockend, im unbenutzten Beiboot des Kanzleramts Lotsendienste zu leisten, findet in Bonn wenig Widerspruch. R. Z.