Was linke Studenten in Deutschland nicht einmal erträumten, nämlich die Aktionsgemeinschaft zwischen Studenten und Bauern, wurde in Japan in der letzten Woche mit Blut besiegelt. In einer Schlacht um den neuen Flughafen von Tokio wurden drei Polizeioffiziere getötet und etwa 150 Polizisten verwundet. Die Bauern und Studenten zählten über 1000 Blessierte.

Die Bauern, die nicht ihr Land für den Flugplatzbau hergeben wollten, und linke Studenten, die ihnen aus Tokio zu Hilfe eilten, hatten durch ihre Demonstrationen die Bauarbeiten schon um ein ganzes Jahr verzögert. In den letzten Monaten war es immer wieder zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen.

Am Donnerstag voriger Woche stürmten 5000 Bereitschaftspolizisten, geschützt durch kugelsichere Westen und durch schwere Bulldozer, die Festungsanlagen der etwa 6000 Demonstranten auf dem Gelände bei Narita. Mit Bambusspitzen, Benzin- und Kotbomben und einem Steinhagel setzten sich die Bauernkrieger zur Wehr. Sie schickten sogar Frauen und Kinder ins Gefecht.

Die japanische Regierung hatte schon 1965 beschlossen, 65 Kilometer vom Tokioer Stadtzentrum entfernt einen neuen Flughafen anzulegen, weil der Flugplatz Haneda in Tokio (fünf Millionen Fluggäste im Jahr) für den steigenden Verkehr acht mehr ausreichte. Sofort organisierte sich eine Opposition der ansässigen Bauern, die dort erst nach dem Kriege angesiedelt worden waren und nicht wieder von neuem beginnen wollten. Der christliche Laienpriester Issaku Tomura scharte zunächst mehr als 350 Familien um sich. Sie kämpften für das Recht am eigenen Boden, aber auch gegen den Lärm und die Umweltverschmutzung durch den Düsenverkehr.

Die meisten der Bauern wurden der Sache untreu, als die Regierung ihnen hohe Entschädigungsgelder zahlte. Der Rest jedoch erhielt Zulauf aus der Politik. Linke Studenten setzten sich an die Spitze der Bewegung und verwandelten den Bauernaufstand in einen Kampf gegen den Imperialismus.

Als durch Gerichtsbeschluß das Bauernland enteignet wurde, teilten die Bauern das Land in lauter kleine Parzellen von je 3,3 qm auf. Sogar Abgeordnete der Sozialistischen . Partei sicherten sich Bodenanteile.

Erst nach den Wahlen im Frühjahr begann die Polizei einzuschreiten. Inzwischen hatten aber die Verteidiger rund um die geplante Landebahn eine Festung aus Gräben, Tunnels, Brustwehren, Drahtverhauen und Wachttürmen errichtet. Die Tunnels wurden mit Lebensmitteln und Waffendepots versehen. Weder Hitze noch Sauerstoffmangel, weder Regen noch Moskitos konnten die Bauern vertreiben. Bauern und Studenten schworen, das Land "bis zum Tode zu verteidigen".

Die japanische Polizei, die in den letzten Jahren in vielen Straßenschlachten mit den Studenten Erfahrungen gesammelt hatte, wurde mit der Situation in Narita zunächst nicht fertig.