Von Dietrich Strothmann

General de Gaulle sprach von ihr als "ce machine là" – dieses Ding di –, andere nannten sie die "Schwatzbude", und tatsächlich war sie häufig nur ein Paukboden für Propagandisten, eine Schaubühne für theatralische Auftritte – die Organisation der Vereinten Nationen, die dieser Tage mit ihrer 26. Generalversammlung in ihr zweites Vierteljahrhundert tritt.

Mag die Kritik an ihrem Versagen, die Klage über ihre Fehler auch noch so berechtigt sein und heftig – gäbe es sie nicht, wäre manches in der internationalen Politik sehr viel schwieriger. Obendrein richten Kritik und Klagen sich im Grunde gegen jene, die sie erheben. Denn die Vereinten Nationen sind so gut oder so schlecht, so wirksam oder so untauglich wie die Politik der in den UN vereinten Nationen.

Das Versagen der United Nations im Fall Biafra etwa, wo sie dem Völkermord nicht Einhalt gebot, geht nicht zu ihren Lasten. Die Satzung verbietet ihr ausdrücklich, sich in innere Angelegenheiten souveräner Staaten einzumischen. Und keiner der Großen im Kreis der Vereinten Nationen dächte etwa daran, diese Klausel aufzuheben oder zugunsten einer Eingreifmöglichkeit durch die UN-Weltfeuerwehr neu zu fassen. Sie selber könnten ja eines Tages die Betroffenen sein.

Die Stärke der Vereinten Nationen liegt allein da, wo sich die tonangebenden Mächte einig sind – wie im Falle des arabisch-israelischen Krieges vom Juni 1967, als erst ein Waffenstillstand erzielt und dann eine Resolution durchgesetzt werden konnte, der alle zustimmten. Sogleich wird hier aber auch die Grenze deutlich, die den UN gesetzt sind: Einigen sich die unmittelbaren Kontrahenten, Israel und die arabischen Staaten, nicht auf einen Kompromiß, dann nützt auch die beste Resolution nichts. Nicht einmal die Großmächte haben es in der Hand, die erstarrten Fronten der "Alles-oder-nichts"-Verfechter durchbrechen.

Immer wieder haben die Vereinten Nationen ihren Auftrag, als Katalysator zu wirken, schon allein dadurch erfüllt, daß sie den untereinander Zerstrittenen die Möglichkeit boten, Gespräche zu führen, daß sie ein Ort sind, wo sich Politiker regelmäßig treffen und Kontroversen beilegen können.

Welche Bedeutung die Mitgliedsstaaten den Vereinten Nationen zugestehen, wird sich erneut in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Von den Dauerthemen abgesehen – darunter die Nahostfrage – stehen zwei Punkte auf der Agenda der diesjährigen Vollversammlung, die für die der eine Wende markieren: die Wahl eines neuen Generalsekretärs und die Aufnahme der Volksrepublik China.