Joseph Smirkowsky, ehemaliger tschechoslowakischer Parlamentspräsident, erklärte in einem Interview mit der italienischen Zeitschrift "Vie Nuove":

"Zwei Jahre lang haben sich alle Anstrengungen der Parteiführung und der untergeordneten Stellen darauf konzentriert, die Ansichten, Resolutionen und Erfolge der Politik zu liquidieren, die 1968 eingeführt wurde. Die vergangenen beiden Jahre waren Jahre der Negation. Alles wurde als schlecht und revisionistisch denunziert, als reif zur Ausrottung, einschließlich der Menschen. Und die Okupation des Landes durch Truppen des Warschauer Paktes wurde überall als Geschenk des Himmels akzeptiert.

Diese Anstrengungen, die in blinden Fanatismus und Zynismus einmündeten, haben alle Energien der gegenwärtigen Partei und ihrer Führung aufgezehrt und sie in eine Isolierung vom Volk geführt. Sie haben die Initiative des Volkes abgestumpft, die Seele der Nation brach liegenlassen, sie in Lethargie gestürzt... Kaum mehr als zehn Prozent der Bevölkerung unterstützen die gegenwärtige Politik...

1968 nahmen die Bürger das Programm der Kommunistischen Partei an, das Programm eines demokratischen Sozialismus – so spontan und mit einer solchen überwältigenden Mehrheit, daß die Kommunistische Partei niemals zuvor so viel natürliche Autorität und Macht besaß. Unser Volk hat diese Haltung gegenüber dem Programm von 1968 beibehalten. Es lebt in der Oberzeugung, daß die augenblicklichen Zustände vorübergehen, daß die Alliierten ihre Haltung gegenüber dem Programm von 1968 ändern, daß die Einstellung gegenüber dem 21. August revidiert wird und das dies für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und den anderen Staaten des Warschauer Paktes sorgen wird – vorweg in den Beziehungen zur Sowjetunion, die nicht normal sind.

Das tschechoslowakische Volk und die tschechoslowakische Republik sind nicht so unbedeutende Faktoren der europäischen Landkarte, daß sie nicht beachtet werden sollten. Die alliierten und benachbarten Staaten können und dürfen nicht gleichgültig angesichts der Tatsache bleiben, daß dieses Volk und dieses Land gewaltsam in die Opposition und das Warten auf Freiheit gezwungen wurden und noch immer weiter getrieben werden. Die Ruhe in diesem Land ist eine aktive Ruhe; das Volk gleicht einem Arzt, der einen kranken Patienten beobachtet, jederzeit bereit einzugreifen und unverzüglich zu handeln, sollte es zu einer Krise kommen..."