ARD, Sonntag, 19. September: "Eine neue Generation – Ein Arbeitsplatz mit 1000 km/h", von Andreas Jacobsen

Das wäre eine lohnende Aufgabe für das Fernsehen: eine Serie von Berufsporträts. Wir erführen mehr übereinander, und diese "Gesellschaft" würde dem, was das Abstraktum offenbar fordert, ähnlicher, wenn Einsichtsmöglichkeiten von außen Querverbindungen herstellten zwischen den vielen meist total voneinander isolierten Berufsgruppen.

Wie müßten solche Fernsehfilme beschaffen sein, die deutlich machen könnten, was einen dreißigjährigen Bankangestellten von einem dreißigjährigen Hafenarbeiter trennt – und was beide dennoch verbindet? Welchen "Stellenwert" hat der Faktor "Beruf" neben anderen, gruppenbildenden Faktoren wie "Generation", "Nationalität", "Geschlecht"? Wie nähme sich ein pragmatischer Begriff von "Klassen" aus neben dem ideologischen?

Wie so etwas zu realisieren wäre, müßte Gegenstand langer Überlegungen sein. Kurz kann nur gesagt werden: nicht so, wie es die ARD mit einem Berufsbild des Piloten versucht hat.

Schon die Wahl des Themas stimmte mißtrauisch: Ein scheinbar romantischer Abenteurerberuf weckte Erwartungen, um sie zu enttäuschen – so romantisch und abenteuerlich, wurde uns versichert, ist die Fliegerei nicht mehr. Wer hätte das gedacht?

Der Kapitän eines Jumbo-Jets unterscheidet sich, so erfuhren wir, von Lindbergh und Saint-Exupéry dadurch, daß Technik, Bürokratie und Routine immer mehr überhandnehmen. Genau dadurch unterscheidet sich freilich auch der Pilot eines Omnibusses vom Maserati-Fahrer.

Dennoch haben die Fliegerschulen einen solchen Zulauf, daß sie sich eine Zulassungsprüfung leisten können wie sonst nur noch der diplomatische Dienst: vier Fünftel der Kandidaten werden abgewiesen. Was erklärt diese Bevorzugung eines angeblich neuerdings so nüchternen Berufes, in dem (um diesen Einwand vorwegzunehmen) nicht mehr zu verdienen ist als, zum Beispiel, in vielen kaufmännischen Berufen, vom Fußball nicht zu reden?

Der Film blieb die Antwort schuldig. Er blieb beinahe alle Antworten schuldig und begnügte sich mit oberflächlichen Impressionen und gestellten Szenen (peinlich: das briefing einer crew durch den captain). Er vermied herbere Töne und nahm Rücksicht auf Taille Empfindlichkeiten eines sehr empfindlichen Berufszweiges (aber welcher Berufsstand wäre unempfindlich?)’. Er sparte aus, was auch die Piloten mit der Welt, in der jedermann lebt, verbindet. Und dadurch erschienen die Flieger dann, sehr gegen den Willen des Autors, als sonderbare Einzelgänger, eine Nummer zu klein. Leo