Von Wolfgang Löhde

„stern“-Autor Wolfgang Löhde, der seit zwanzig Jahren das Leben und Treiben des westdeutschen Geheimdienstes verfolgt, befaßt sich kritisch mit einem neuen Buch über den Bundesnachrichtendienst, das auf einem „Spiegel-Report beruht.

Einige Parlamentarier riefen nach dem Generalbundesanwalt, als der Spiegel jüngst seinen Bericht über den Bundesnachrichtendienst („Pullach intern“) veröffentlichte. Die Serie würde, was Wunder, für das Nachrichtenmagazin zum Verkaufsschlager. An diesen Erfolg möchte sich der Hoffmann und Campe Verlag anhängen:

Hermann Zolling / Heinz Höhne: „Pullach intern. General Gehlen und die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes“; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1971; 379 S., 26,– DM.

Wer will, kann den gebundenen Geheimdienstrummel nun zwischen dem „Geschenkten Gaul“ und der „Love Story“ in seinem Bücherregal speichern. Der dokumentarische Wert dieses Buches freilich ist in wesentlichen Teilen, trotz der beeindruckenden journalistischen Fleißarbeit, leider zweifelhaft.

Bei dem außerordentlich schwer zu analysierenden vielschichtigen Durcheinander von persönlichem Ehrgeiz, parteipolitischen Interessen und ideologischen Gegensätzen innerhalb des BND sind die beiden Autoren ins Schleudern gekommen. Wichtige Informanten konnten sich ihnen entziehen. Mangelhafte Recherchen konnten die Lücken nicht schließen, und der Mann, dem der größte Teil des Buches gewidmet ist, reagierte anfänglich mit eisigem Schweigen, um nun mit seiner eigenen Version zu kontern. Das konnte sich Ex-Präsident Reinhard Gehlen auch gefahrlos leisten, denn die beiden Verfasser haben sich nicht ein einziges Mal an seine „dienstlichen und privaten“ Achillesfersen heranrecherchiert, sondern – wie Computer – einfach alles Einschlägige aus Ost und West gefressen. Was sie da aus allen Himmelsrichtungen zusammengetragen haben, ist wahrhaftig beachtlich. Spätere Historiker werden viel Mühe haben, die Spreu vom Weizen zu trennen. Nachsichtige Liebhaber einschlägiger Lektüre dagegen kommen auf ihre Kosten.

Wer die „Spiegelaffäre“ aus dem Jahr 1962 schon wieder vergessen haben sollte, kann sie hier in gebührender Selbstdarstellung noch einmal nachlesen. Natürlich fehlt auch nicht die sattsam bekannte Geschichte des Sowjetspions Felfe aus dem Jahre 1961, mit der die Talfahrt des BND damals begann. Ich vermisse in diesem Zusammenhang die Geschichten über die Schicksale jener bundesdeutschen Geheimdienstler, die in dem siebenjährigen Krieg gegen Felfe in Pullach auf der Strecke geblieben sind. Einer von ihnen beging sogar Selbstmord.