Schließlich sind es ja amerikanische Pflaumen, und die werden wegen der Aufwertung teurer Mit dieser allen volkswirtschaftlichen Rer geln hohnlachenden Antwort suchte ein Mailänder Obsthändler seinem Kunden klarzumachen, weshalb ein Kilo Pflaumen 500 Lire (drei Mark) kostet.

Die Preissteigerungswelle, die gegenwärtig in Italien anläuft, begann während der großen Ferien. Nach der Urlaubszeit sehen die Hausfrauen in den großen Städten, daß die Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs plötzlich um zehn bis 15 Prozent mehr kosten. Hotels und Gaststätten haben im gleichen Ausmaß aufgeschlagen. Textilien sind in den letzten Wochen um 30 Prozent, Schuhe und Handtaschen um 15 bis 20 Prozent teurer geworden.

Und mit großer Geschwindigkeit breitet sich diese von der Statistik noch nicht erfaßte Preiswelle aus: Der Obsthändler sieht, daß das Fleisch teurer ist, und der Metzger will an der Wurst das verdienen, was seine Frau beim Bäcker mehr ausgibt.

Die Preiserhöhungen beruhen zum Teil auf Kostenerhöhungen. So haben einige Supermarktketten nach heftigen Streiks Lohnerhöhungen von 20 bis 30 Prozent mit den Gewerkschaften ausgehandelt, während andere noch im Tarifkampf stehen. Und auch manche Importe sind teurer geworden. Doch vor allem ist das Phinomen der jetzigen Preiserhöhungen psychologisch zu erklären.

Im Ferienmonat August steht Italiens Wirtschaft mit Ausnahme der Hotelindustrie praktisch still. Die Städte sind verödet. Und im September beginnt ein völlig neuer Wirtschaftszyklus. Das ist die günstigste Gelegenheit für Preiserhöhungen.

In diesem Jahr haben Lohnerhöhungen, internationale Währungskrise und die allgemeinen Kostenerhöhungen seit Jahresbeginn das Klima für Preiserhöhungen im Einzelhandel vorbere tet. Aber das Ausmaß ist damit noch nicht erklärt. Eine Verordnung zum Schütze des Konsumenten, nach der künftig das Papier bei der Einwaage nicht mehr mitgewogen werden darf, war "las auslösend"Moment füfSiefsten Pjtssteigerungen. Beim Auswiegen von Wurst, Fleisch oder Käse etwa war die Unsitte aiagerissen, dik"k5 ; billiges Packpapier bispjp, Umfang on 20 "Prozent des reinen WareÄfewichtes mitzuviegen — und mitzuberechnen. Ein gutgehender Metzgerladen konnte an der Differenz zwiscien dem Preis des Einwickelpapiers und der Ware im Monat bis zu 1000 Mark- zusätzlichen Nettogewinn einheimsen. Sobald die Verordnung in Kraft trat, schlug der Einzelhandel die nun entgangene Spanne auf den Warenpreis auf.

Die Rückständigkeit des italienischen Vertriebssystems hat den Preissteigerungsprozeß begünstigt. Nur sieben Prozent der italienischen Lebensmittel Einzelhandelsbetriebe gehören freiwilligen Ketten an. Und nur acht Prozent gekoren zur Kategorie der Großbetriebe, wobei Großbetrieb ein Unternehmen mit mehr als einer Verkaufsstelle bedeutet.