Günter Kertzscher, stellvertretender Chefredakteur der Zeitung Neues Deutschland, hat sich über das Wort "innerdeutsch" erregt. Für ihn gibt es nur die souveränen Staaten DDR und BRD sowie die besondere politische Einheit Westberlin. Mit dem Begriff "innerdeutsch", so meint er, wollen "gewisse Unbelehrbare" irgendwelche Rechte bewahren, etwa auf Vormundschaft über die DDR. Also fragt Kertzscher: "Was soll denn das für eine Einheit sein, in der die BRD ebenso wie die DDR gemeinsam drin wären? Etwa das Deutsche Reich? Das ist 1945 untergegangen."

Dem stellvertretenden Chefredakteur kann geholfen werden; nur wird ihm dann das Wort von den "gewissen Unbelehrbaren" leid tun. In derselben Ausgabe seiner Zeitung ist zu lesen, daß es einen gewissen Armeegeneral Kulikow gibt, der "Oberkommandierender der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" ist. Und in derselben Nummer wird auch mitgeteilt, daß Erich Honecker einen gewissen Marschall Konjew empfing, der früher "Oberkommandierender der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" war. Und Neues Deutschland wußte schon mehrfach (zum Beispiel in der Ausgabe vom 1. Februar 1969) zu melden, daß einem gewissen P. A. Abrassimow "Funktionen in den Fragen übertragen sind, die Deutschland als Gesamtes betreffen".

Kertzscher könnte sich also seine Fragen nach der Einheit, die BRD und DDR umfaßt, selber beantworten. Nur müßte er dann nicht allein die Sprachregelungen der SED, sondern auch sein eigenes Blatt sorgfältig lesen. So langweilig, wie es aussieht, ist es durchaus nicht immer. J. N.