• Nahost

Fünf Tage vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, auf der Kairo Unterstützung für seine Politik zu finden hofft, ereignete sich am Suezkanal ein schwerer Zwischenfall. Mit SAM-2-Raketen schossen die Ägypter am Freitag ein unbewaffnetes israelisches Transportflugzeug 22 Kilometer östlich des Kanals ab. Beide Seiten lieferten sich bis zum Sonntag mit Raketen und Artillerie heftige Gefechte. Wie die New York Times vermutet, wollte Kairo mit dieser Unterbrechung des seit 13 Monaten dauernden Waffenstillstands demonstrieren, daß ein neuer Nahostkrieg unvermeidlich sei, falls bis Ende des Jahres nicht eine politische Lösung gefunden werde. Seit Montag sind die ägyptischen Truppen in Alarmbereitschaft versetzt und angewiesen, auf jeden Angriff unverzüglich zurückzuschlagen.

  • Pakistan

Nach der Flutkatastrophe im vorigen Jahr und dem Bürgerkrieg droht nun in Ostpakistan eine Hungersnot. Experten erwarten bereits für Oktober einen Engpaß, da sich Verkehr, Wirtschaft und Versorgung des mit über 500 Menschen pro Quadratkilometer am dichtesten besiedelten Land der Welt noch nicht normalisiert haben. Ostpakistanische Flüchtlinge weisen bereits Symptome schwerer Unterernährung auf. Nach indischen Angaben belief sich ihre Zahl Anfang September auf 8 370 000; Westpakistan spricht dagegen "nur" von 2 003 000.

  • Vietnam

In Südvietnam dauern die heftigen Kämpfe im südlichsten Landesteil an, bei denen Saigoner Truppen schwere Verluste erlitten. Amerikanische Jagdbomber flogen zu Wochenbeginn den größten Angriff seit dem Bombardierungsstopp vor drei Jahren gegen Ziele in Nordvietnam, vor allem gegen Radar- und Raketenstellungen. US-Fernbomber griffen Stellungen in Laos und Kambodscha an, wo feindliche Truppen erfolgreich operieren. Ein kommunistischer Stoßtrupp vernichtete bei Phnom Penh fast zwei Drittel der kambodschanischen Treibstoffreserven.

Saigon sieht sich nicht nur wachsenden militärischen Schwierigkeiten gegenüber. Immer größer wird die innenpolitische Opposition gegen Präsident Thieu und die bevorstehenden Wahlen, bei denen er allein kandidiert. Die Polizei löste gewaltsam mehrere Demonstrationen auf, die sich gegen die zwangsweise Militärausbildung, gegen die amerikanischen Truppen und gegen die Ausschaltung der jetzt aufbegehrenden Opposition richteten. Senator McGovern, demokratischer Bewerber um die US-Präsidentschaftskandidatur, erklärte nach einem Südvietnambesuch, Nixons Vietnamisierungspolitik sei ein "offenkundiger Fehlschlag". Würden die Kämpfe nicht bald beendet, erlebe Washington ein weiteres Debakel. Eine politische Lösung ist freilich ferner denn je, nachdem Nordvietnam auf der Pariser Friedenskonferenz erklärte, sein Sieben-Punkte-Programm sei ein unauflösbares Paket.