"Georges der Dieb", Roman von Georges Darien. Der Autor Georges Darien ist 1921 als verarmter und vergessener Mann von noch nicht sechzig Jahren gestorben. Den Roman, der jetzt auf deutsch erscheint, hat ein französischer Verleger bereits 1955 ausgegraben: eine eigenartige Kombination von Gaunerstücken, Gesellschaftssatire und Streitgesprächen. Darien hat für anarchistische Blätter geschrieben, und die Betrüger, Hochstapler, Hehler und Diebe in seinem Roman sind vor und nach der Arbeit immer gern bereit, die sittlichen und die sozialpolitischen Funktionen dieser Arbeit darzulegen: "Der echte Dieb ... lebt nur aus sich und für sich; unabhängig von Regeln und Statuten. In der modernen Zivilisation hat er einzig und allein die Rolle, sie am Hinausschießen über den bereits erreichten Grad der Infamie zu hindern. Er untersagt ihr jede Transformation, die nicht von der absoluten Freiheit des Individuums ausgeht ... Zugegeben, er erfüllt diese Funktion nicht bewußt, aber er erfüllt sie." Die Intrigen und Arrangements ringsum, die Geschäfte und Erpressungen, die Geldheiraten, Kokotten-Karrieren und Ehebrüche erläutern nur – so klar wie unterhaltend allerdings – die immer wieder vorgebrachte Theorie. (Aus dem Französischen von Hans Roesch; Verlag Ullstein, Berlin/Frankfurt/Wien; 419 S., 28,– DM)

"Ich liebe mich – liebst du mich auch?", Roman von Ann Berkeley. Der Modearzt Alexis, "ewig auf der Jagd nach neuen sexuellen Stimulanzien", hängt etwas zu liebevoll an Tekla mit dem rauchigen Lachen, einem unartigen Kind seiner Mutter von fünfundsechzig Jahren. Und gerade mit Mutter Tekla, worauf man gefaßt war, schläft er schließlich nicht. Er verfällt Max, dem jungen Dieb und Porno-Darsteller, der immer tüchtig Drogen in die Drinks mischt. Der Romantitel ist noch das Allerbeste. Es macht ja nichts, wenn jemand eilig, ungeschickt, teils mitfühlend, teils scheinbar aufgebracht erotische Spezialitäten und erotische Defekte vorführt. Die Sprache ist der Botschaft angemessen: "Erlebnisgier trat in seine Augen." Aber: muß dergleichen so schön eingebunden sein, taubenblau? Wie viele Exemplare werden abzusetzen sein – zu diesem Preis? So bescheiden sind die Bücherfreunde vielleicht doch nicht. (Marion von Schröder Verlag, Hamburg und Düsseldorf; 330 S., 20,– DM) Christa Rotzoll