Neu in Museen und Galerien:

Bielefeld Bis zum 10. Oktober, Kunsthalle: "O. H. Hajek"

Eine Dokumentation sämtlicher Aktivitäten, die Hajek seit 1963 unter dem Stichwort "Farbwege" entfaltet hat, Skulpturen, Modelle, Großfotos, dazu multiple Objekte und Graphik. Die ersten "Farbwege" waren ein Schritt ins Ungewisse, die Offerte eines Bildhauers, der es leid war, skulpturale Objekte funktionslos in die Welt zu setzen, eine Offerte nicht bloß an Architekten und Bauherren, sondern an Architektur schlechthin. "Farbwege" sind auf die konkrete Situation, die spezielle Aufgabe angewiesen, Bielefeld macht es deutlich. Das gelungenste Beispiel ist der verunglückte Treppengang in der Kunsthalle, der von der Eingangshalle zwei Stockwerke tief zur Studiengalerie führt. Hajek hat den monströsen Abstieg allein mit der Farbe, die sich über Wände, Ecken, Türen, Geländer einen Weg bahnt, optische Haltepunkte, Fermaten bildet und den Bewegungsablauf, nach der Pause, im harten Staccato wieder aufnimmt, qualitativ verändert. Die plastischen "Farbwege" dagegen, schockfarbige Objekte aus Holz oder Metall, stehen etwas verloren im Raum, in der Museumshalle herum, wie bestellt und nicht abgeholt, potentielle Bestandteile urbaner Planungen. Wenn sie als isolierte Plastik präsentiert werden, erheben sie einen Anspruch, den sie nicht erfüllen können. Hajek hat sein Formenvokabular, das, bevor die "Farbwege" anfingen, außerordentlich differenziert war, radikal vereinfacht. Knick und Winkel sind so ziemlich die einzigen Elemente, die ständig repetiert und innerhalb eines Objektes additiv gereiht werden. Auch die isolierte Skulptur ist nach großräumig urbanen Dimensionen gearbeitet, dabei gerät Hajek unversehens in den Sog der Minimal Art, wo er nichts zu suchen und nichts zu gewinnen hat. Hervorragende Beispiele einer stadtlandschaftlichen Konzeption, die Hajek aus dem Prinzip der "Farbwege" entwickelt: die Studie für eine Kunstlandschaft als Ausbildungsstätte für das Auswärtige Amt.

Köln Bis zum 8. Oktober, Galerie Klang: "Rudolf Schoofs"

Als Rudolf Schoofs 1968 den Zyklus "Israel und Vietnam – Die Schrecken des Krieges" herausbrachte, war sein Fall entschieden: ein Vertreter der kritischen, engagierten Kunst, Schoofs erhielt den Preis für kritische Graphik. Vor den neuen Pastellen ist die Frage nach dem Engagement nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Es handelt sich um Landschaften, virtuos gezeichnet, subtil in Grauwerten abgestuft, endlose transparente Flächen mit Licht- und Schattenreflexen, die Wüste und Einsamkeit assoziieren, keine Kriegsschauplätze, die Landschaft ist menschenleer. Was in scharfem Lineament in die grauen Ebenen hineingezeichnet ist, sind Röhrensysteme, Öltanks, Raffinerien, Atomreaktoren. Um die Dinge zu präzisieren, arbeitet Schoofs nach Photographien von Baustellen und Industrieanlagen. Das Arsenal der Technik bohrt sich und frißt sich in die Landschaft. Ein Appell für Umweltschutz, mit zeichnerischer Delikatesse, im pianissimo, fast unhörbar vorgebracht, also doch noch, wenn man es für wichtig erachtet, eine Andeutung von Engagement. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Bonn Bis zum 10. Oktober, Städtische Kunstsammlungen: "Carlo Mense"