Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Bonn und Ostberlin über die gemeinsam erarbeitete deutsche Fassung des Berlin-Abkommens sind noch nicht ausgeräumt. Allerdings glaubt die Bundesregierung, Anzeichen für ein Einlenken der DDR-Führung zu erkennen. In einer Meldung behauptete die Ostberliner Nachrichtenagentur ADN: "Eine zwischen der Regierung der DDR und der Regierung der BRD vereinbarte und von den Botschaftern der vier Mächte gebilligte deutsche Übersetzung existiert nicht" – was in dieser Form korrekt ist und auch vom scheidenden Botschafter Abrassimow unterstrichen wurde. Die gemeinsame Übersetzung hat Ostberlin dagegen nicht in Frage gestellt.

Freilich hat die DDR-Führung ihren Widerstand noch nicht aufgegeben. Auf der zweiten Plenartagung des Politbüros verlangte die SED ausdrücklich, zwei Abkommen abzuschließen – eines mit Bonn über den zivilen Transport- und Personenverkehr von Westdeutschen nach Berlin und eines mit dem Senat, das den Verkehr von Westberliner Bewohnern und Gütern mit der Bundesrepublik regeln soll. Das Vier-Mächte-Abkommen habe – so das Politbüro – den "besonderen politischen Status Westberlins" festgestellt.

Inzwischen versucht die SED auf zwei Wegen, das Stocken der Gespräche Bonn anzulasten. Sie polemisiert gegen den Begriff "innerdeutsch", der nur eine subtilere Form des Alleinvertretungsanspruches darstelle, und beschuldigt die Bundesregierung, weder konkrete Pläne vorzulegen noch auf die DDR-Vorschläge einzugehen.

"Aus dienstlichen Gründen" hat Senatsdirektor Müller das für Mittwoch geplante elfte Gespräch mit DDR-Staatssekretär Kohrt kurzfristig abgesagt. Ein neuer Termin wird noch vereinbart.