Christo verpackt Monschau

Monschau

Das Tuchmacherstädtchen Monschau wird eingepackt. Der Verpackungskünstler Christo, der sich bereits vor drei Jahren mit seiner "Riesenwurst" auf der Kasseler documenta einen Namen machte, will mit 6500 Quadratmetern Polypropylengewebe und wetterfesten Kunststoffseilen das mittelalterliche Eifelstädtchen einpacken. Was sich auf den ersten Blick wie eine "Aktion Frischhaltebeutel" ausnimmt, soll nach dem Willen der Veranstalter den künstlerischen Horizont weiten und neue Sehgewohnheiten vermitteln.

Christo Javareff, Jahrgang 1935, hat Übung in seinem Metier. Bevor er die Monoschau in Monschau inszenierte, lieferte er anschauliche Verwandlungsbeispiele von Landschaft und Architektur in ganz Europa und zog sich nach kompletten "Klippenverpackungen" ins amerikanische Colorado zurück. Dort arbeitet er seit zwei Jahren an einem Projekt "Valley-Curtain", einem Riesenvorhang, der sich in einer Höhe von 150 Metern über ein 700 Meter breites Tal strecken soll. Die Arbeit an diesem Mammut-Talvorhang – verglichen damit ist die Christo-Aktion in Monschau ein Flicklappenunternehmen – bereitete den Monschauern denn auch die erste Enttäuschung: "Christo verhängt Monschau" steht bislang nur auf den Plakaten, die verpackungsfreundlichen Bürger müssen nach Vorlage arbeiten.

Auf Anregung des Monschauer Kunstkreises hatte Christo im Dezember vergangenen Jahres die Eifelstadt inspiziert und bei diesem Ortstermin entschieden, daß Schloß, Haller-Riine und die malerischen Fachwerkhäuser an der Ruhr zu verhängen seien. An Hand von Ansichtskarten und -skizzen begann er dann in Form von Photomontagen seine Vorstellungen zu visualisieren, damit Monschau einpacken kann.

New Look und neue Wahrzeichen gedeihen auch in Abwesenheit des Chefverpackers vortrefflich, so daß der Feuilletonist der Eitler Nachrichten lobend melden kann: Die Abwesenheit Christos tut den künstlerischen Ambitionen keinen Abbruch. Im Gegenteil, gerade die Abwesenheit des Künstlers unterstreicht den konzeptionellen Aspekt des Projektes, der typisch und wichtig für so viele aktuelle Kunstströmungen sei. Doch hoffe man nach wie vor, Christo vielleicht zur offiziellen Eröffnung am Samstag, dem 25. September, bestimmt jedoch während der "Standzeit" von einem Monat noch an Ort und Stelle begrüßen zu können.

Für den Moment hat die jüngere Generation den größten Spaß an dieser Do-it-yourself-Kunstaktion. Sie gehen den Dachdeckern, die im Auftrage Christo Javareffs gewissenhaft verschnüren, verpacken, verknoten und verhängen, eilfertig zur Hand und lassen sich zu Eigenaktionen inspirieren. Die Oberprimaner des Monschauer Gymnasiums (Devise: Was der kann, können wir schon lange) packten ihren Schulhof ein. Mit alten Zeitungen wurden Bäume eingewickelt, Wände geschmückt und Steinplatten bedeckt. Die einen verstanden das Oberprimaprojekt als ironische Reaktion auf das Christo-Projekt, die anderen sahen die Aktion "wertfrei".