Hamburg

Im "Spiegel" gibt es Scherben. Drei Monate lang schwelte der hausinterne Streit zwischen der Bonner Redaktion und dem Hamburger Deutschland-I-Ressort. Ressortchef Alexander von Hoffmann wurde von Bonn mit vagen Argumenten nicht mehr akzeptiert. Chefredakteur Günter Gaus und Herausgeber Rudolf Augstein stellten sich hinter die Bonner Korrespondenten, die Mehrheit der Spiegel-Redakteure vor den Ressortleiter. Jetzt wurde von Hoffmann zum Jahresende von seiner Funktion abgelöst. Am Montag dieser Woche mißbilligte die Redaktionsversammlung diese Entscheidung. Der gespaltene Redaktionsrat, monatelang um eine Schlichtung bemüht, trat zurück. Rudolf Augstein: "Ein selbstmörderisches Treiben."

Aus dem Bericht der Redaktionsrats-Mehrheit:

"Eine Verständigung im Redaktionsrat war letztlich nicht möglich. Das ist nach Lage der Dinge in der SPIEGEL-Redaktion auch nicht überraschend: Der Konflikt, der in den vergangenen Wochen als Streit zwischen dem Bonner Büro und dem Ressort D I ausgetragen wurde, war zugleich oder wurde schließlich auch ein Streit zwischen den in der Redaktion bestehenden Fraktionen – ein hauspolitischer Konflikt, in dem es zwar vorerst nicht um die politische Linie des Blattes geht, aber schon längst nicht mehr nur um unterschiedliche Definitionen von Begriffen wie Mitbestimmung, Mitverantwortung oder ‚Demokratisierung’. Im Redaktionsrat hat sich dieser hauspolitische Konflikt, der mittlerweile den Charakter einer Auseinandersetzung um ideologisch motivierte Gruppeninteressen gewonnen hat, zwangsläufig zugespitzt."

"Der Redaktionsrat hat nach seinen Gesprächen mit der Chefredaktion sowie mit Mitgliedern des Bonner Büros und des Ressorts D I den Eindruck gewonnen, daß bei rechtzeitiger, sachgerechter Erörterung des Konfliktes durch alle Beteiligten die Zuspitzung hatte vermieden werden können. Heute und unter den gegebenen Umständen erscheint das Vertrauensverhältnis, das nach Ansicht des Redaktionsrats sowohl aus sachlichen als auch persönlichen und hauspolitischen Gründen gestört ist, nicht wiederherstellbar zu sein."

Aus dem Bericht der Redaktionsrats-Minderheit:

"Wir meinen, daß die Autorität der Chefredaktion und eine von der Chefredaktion mit Nachdruck vertretene Sachlösung die beiden Seiten veranlaßt haben könnte, neuen Formen der Kooperation in der alten, journalistisch bewährten Besetzung zuzustimmen. Dies ist nicht geschehen."