Die Krankheit unserer heutigen Städte und Siedlungen ist das traurige Resultat unseres Versagens, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen. Walter Gropius

Gemischtmusikkäufer

Auf dem Schallplattenmarkt gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung, die auf den ersten Blick beängstigend wirkt: Mitte der sechziger Jahre gab es noch eine halbe Million klar auszumachender Klassik-Käufer, heute sind es nur noch knapp eine Viertelmillion. Und es könnte Pessimisten beflügeln, wenn sie erfahren, daß heute dagegen rund fünf Millionen Käufer nur auf das scharf sind, was im weitesten Sinne unter "Pop" rubriziert ist. Nun gibt es aber eine offenbar interessante Gruppe von rund 750 000 Leuten, die "gemischt" einkaufen: Klassik und Pop. "Diese dreiviertel Million gemischter Käufer", erläutert der Direktor der Deutschen Grammophongesellschaft, "kauft dabei, bezogen auf Haushalte, doppelt so viel Klassik-Platten wie die reinen Klassik-Käufer." Und weiter: "Sie sind überhaupt die intensivsten Käufer, sie kaufen im Jahresdurchschnitt über zwanzig LPs." Woraus geschlossen werden kann, daß die Fronten zwischen "ernster" und "Unterhaltungsmusik" oder zwischen "Klassik" und "Pop" immer mehr aufweichen.

Giorgos Seferis

Der Lyriker Giorgos Seferis, 1963 "wegen seiner einzigartigen Ideen und des Stils und der Schönheit der Sprache" als erster – und bisher einziger – Grieche mit dem Nobelpreis geehrt, ist Anfang dieser Woche in einem Athener Krankenhaus gestorben. Der Dichter, der als Diplomat vollbracht hat, was man eine "glanzvolle Karriere" nennt, der sein Land auf vielen Auslandsposten, zuletzt in London vertreten hat, durfte seit einiger Zeit Griechenland nicht verlassen: Die Machthaber hatten ihm die Kritik übel genommen, die er vor zwei Jahren außerordentlich freimütig geäußert hatte. Seferis, dessen Bücher in mehr als zwanzig Sprachen übertragen worden sind und der selber für seine Übersetzungen ausgezeichnet wurde, ist 71 Jahre alt geworden.

Die Welt ist aus den Fugen

Zital: "Der Mißbrauch von Rauschmitteln ist nach Ansicht der Bundesregierung eine wachsende Gefahr. Sie müsse verstärkt werden" (so in der "Welt" vom 20. September 1971, halbfett auf Seite 1).