Die großen Basketballnationen aus dem Ostblock und aus den Hochburgen Spanien, Frankreich und Israel, wo dieser Sport in der Gunst der Massen ganz oben steht, sparten nicht mit ihrem Lob: Spaniens Trainer Miguel: „Toll, was diese Mannschaft für Fortschritte gemacht hat. Sie ist nicht wiederzuerkennen.“ Polens Coach Zagorski nach dem mühevollen Fünf-Punkte-Sieg gegen die Deutschen: „Was bin ich froh, daß wir gewonnen haben. So schwer habe ich es mir nicht vorgestellt. In München müssen wir uns alle sehr vorsehen.“

Aber doch nur der 9. Platz. „Konnten wir denn mehr erwarten?“ fragte Theodor Schober in Essen seine Kritiker. „Vergessen wir nicht, daß wir in Essen gegen Mannschaften gespielt haben, die in Mexiko bei den Olympischen Spielen zu den acht besten Nationen gezählt haben. Und gegen diese Mannschaften der europäischen Spitzenklasse haben wir geführt.“

Aber nicht gewonnen. Was fehlte, war einmal die Routine, mit der die Polen, Rumänen und Spanier in der Schlußphase gegen die deutschen Basketballer doch noch die Sensation verhinderten. Yakovos Bilek, lange Jahre Bundestrainer und heute Talentförderer im DBB, erklärte das in Essen so: „Es fehlt die Kraft für die letzten Minuten, aber das können unsere Spieler in den noch verbleibenden zwölf Monaten lernen. Wir müssen zwanzig bis dreißig schwere Länderspiele in diesem Jahr der Olympiavorbereitung bestreiten. Dann habe ich Hoffnungen für das olympische Turnier.“ Der Deutsche Basketball-Bund hat sich die Vorbereitungen für die Europameisterschaft etwas kosten lassen. Im jugoslawischen Zadar fand ein Trainingslager statt, dem sich ein Höhentest auf dem Nebelhorn anschloß. „Diese Vorbereitung war wichtig“, stellte der überragende Center Norbert Thimm vom Meister TuS Leverkusen nach dem Essener Turnier fest. „Deswegen waren wir wohl zumindest konditionell so stark, aber vor München muß noch mehr getan werden. Spiele, immer wieder nur Spiele.“

Die Europameisterschaft war für den Deutschen Basketball-Bund eine Zwischenstation auf dem Weg nach München. Die Nationalmannschaft hat in Essen einen Reifeprozeß durchgemacht. Sie ist weitergekommen, und nicht zu Unrecht machte in der Essener Gruga-Halle das Schlagwort die Runde: „Das ist die beste deutsche Basketball-Nationalmannschaft, die es je gab.“

Am Lautsprecher und Bildschirm verfolgte ein wenig fachkundiges Publikum die Übertragungen, und die Reporter bemühten sich, diese faszinierende Sportart, die von rund 90 Millionen Menschen in der Welt gespielt wird, dem Hörer und dem Seher nahezubringen. Das scheiterte, weil die deutsche Mannschaft am Beginn der Meisterschaft nicht gewann. Das Publikum brauchte einen Erfolg der deutschen Mannschaft, um Kontakt zu einer fremden Sportart zu bekommen. Der Sieg zählt allein.

Ein paar Worte zur UdSSR, die sich in Essen die elfte Europameisterschaft sicherte, als sie im Finale vor/5000 Zuschauern (darunter rund 2500 jugoslawische Gastarbeiter aus ganz Deutschland) Weltmeister Jugoslawien mit 69 : 64 bezwang. Rußlands sachliches Spiel, dieser nüchterne, ganz auf Erfolg abgestellte Basketball, triumphierte über die spielerische Eleganz der Jugoslawen, die zuviel riskierten, als sie einmal mit elf Punkten Vorsprung führten. Da ließen sich die routinierten Russen keineswegs beeindrucken, da konterten sie und gewannen dieses Spiel zweier Weltklassemannschaften

Nehmen wir da den Finalisten und Weltmeister Jugslawien. In seinen Reihen spielen Individualisten, perfekte Basketball-Könner, die glänzen wollen vor großer Kulisse, und vielleicht hat das im Endspiel den Ausschlag gegeben. Kresimir Cosic, der im Basketball-Mutterland Amerika durch die harte US-Schule ging, der sein Publikum zu unterhalten versteht, enttäuschte in der zweiten Hälfte des Finales, weil er zu sehr für sich spielte, und schon verspielte die jugoslawische Mannschaft ihren Vorsprung.