Dies ist eine besonders bemerkenswerte Ausgabe. Nicht, weil eine sensationelle Serie begänne, sondern weil etwas endet, was vierzehn Jahre lang unser Stolz und der Leser Vergnügen war. Für heute hat Flora zum letztenmal die Karikatur gezeichnet, die das Gesicht der ZEIT prägt.

Paul Flora, nach Geburt und Zuständigkeit Tiroler, ist immer und auf sehr überzeugende Weise er selber. Auch das, was die meisten für ein Pseudonym halten, ist sein ureigener Eigenname. Flora findet das nie endende Soll an Zeitungslektüre und den allwöchentlichen Zwang zum zeichnerischen Gebären, nun schon 13 mal 52 = 728 Wochen nacheinander, im immer gleichen Rhythmus, arg befremdlich und entfremdend für einen Künstler. Er möchte endlich frei sein, wieder Bücher machen – weit über ein Dutzend hat er schon vollgezeichnet – und ein bißchen durch die Welt schweifen. Wer könnte es ihm verdenken! Ganz wird er übrigens unseren Blicken nicht entschwinden, von Zeit zu Zeit werden wir hoffentlich seine Spuren im Feuilleton verfolgen können.

Wie bei allen großen Humoristen ruht in den Alluvial-Schichten von Paul Floras Seele tiefe Melancholie, die sich auf eine seltsam dialektische Weise an der Oberfläche in Humor und liebevollen Spott verwandelt. Rasch und aus großer Höhe stößt er zu wie ein Raubvogel, wenn seinem Auge Beute sich bietet. Aber nie treibt Bosheit ihn, Aggressivität oder Schadenfreude, immer ist es verstehendes, mitleidendes Erkennen der komischen Unzulänglichkeiten des so bemühten Menschen. Aus Floras Skizzenblock veröffentlichen wir auf der letzten Seite eine kleine Blütenlese zum Abschied.

Floras letztes Vermächtnis an uns, die trauernden Hinterbliebenen, ist Luis Murschetz, sein junger Nachfolger, den er uns ans Herz legt und der dort auch bereits Wurzel geschlagen hat; er zeichnet schon seit einiger Zeit im Wirtschaftsteil der ZEIT. Dff.