Die Hauptstadt Washington hat ein Faible für aufgeblasene Monumente und endlose Korridore. Sie verwendet Marmor wie Baumwolle. Sie ist die Heimstatt der Regierung des Volkes, für das Volk und durch das Volk sowie des Geschmacks für das Volk – sie liebt das Gewaltige, Unverbindliche und Banale. Das neue Kennedy Center macht da keine Ausnahme.

Der Stil des Kennedy Center ist: Washingtoner Supermaß, nur noch ein bißchen größer. Albert Speer hätte seine Freude daran gehabt.

Mit dem Kennedy Center wurde die Apotheose des Korridors geschaffen – in Form des fast zweihundert Meter langen, fast zwanzig Meter hohen Großen Foyers, das so lang ist wie drei New Yorker Häuserblocks und einer der größten Räume der Welt; der Spiegelsaal, von Versailles ließe sich bequem in ihm unterbringen. Ohne die rettende Zugabe belgischer. Spiegel wäre das ein Tunnel sondergleichen. Achtzehn der größten Kristallkronleuchter der Welt "putzen" diesen Korridor "auf", um mit dem Architekten zu sprechen, Edward Durell Stone. Der rote Teppich reicht für ein totales Environment.

Außerdem gibt es zwei weitere Korridore, blank, mit beflaggten Marmorwänden, mit roten Teppichen, achtzig Meter lang und zwanzig hoch; sie heißen "Halle der Staaten" und "Halle der Nationen". Auf beunruhigende Weise erinnern beide an die übergroße Leere sowjetischer Kulturpaläste. Für Schleppjagden wären sie hervorragend geeignet.

Diese beiden Korridore trennen die drei Theatersäle, die den Existenzgrund des Bauwerks abgeben: die Oper, den Konzertsaal und das Eisenhower-Theater. In alle drei gelangt man durch das Große Foyer.

Das Gebäude selber ist ein Superbunker, dreißig Meter hoch, zweihundert Meter lang und fast einhundert Meter breit, am Potomac-Fluß gelegen. Noch eins seiner Art, und die Stadt versinkt.

Da es ein nationales Wahrzeichen ist, gibt es nur eine Art, das Kennedy Center zu beurteilen – es an dem etablierten Standard progressiver Architektur zu messen, für den die Vereinigten Staaten international bekannt sind und bewundert werden.