Karl Otto Hondrich: Mitbestimmung in Europa; Europa Union Verlag, Köln; 119 Seiten, 7,50 Mark.

Je länger über Mitbestimmung diskutiert wird, desto mehr nimmt das ideologische und soziologische Vokabular überhand. Die Schrift von Hondrich bildet eine lobenswerte Ausnahme: Auf gut hundert Seiten wird vertändlich und sauber dargestellt, welche Beteiligungsarten in Europa existieren, warum sie unterschiedliche Formen annehmen und welche Folgen jeweils entstehen. Hondrich vermeidet es zum Glück, eine Lösung als die einzig richtige zu suggerieren. Ihm liegt mehr an der Erörterung von Alternativen, um dem Leser das Abwägen zu erleichtern.

Die Darstellung beschränkt sich nicht darauf, Länderbeispiele aneinanderzureihen. Hondrich geht einen anderen Weg Er definiert mögliche Mitbestimmungsregelungen, erläutert sie und zeigt, was davon wo realisiert wurde. Dabei lernt der Leser die Formen der Mitentscheidung nicht nur kennen, sondern auch einordnen. Und er sieht ein, wie unzureichend es wäre, allein nach ideologischen Kriterien die Prädikate "gut" oder "schlecht" zu verteilen.

Hondrich verschweigt keineswegs, daß er ein Anhänger der Mitbestimmung, also parteiisch ist. Seine Thesen sind auch oft anfechtbar, aber gleichzeitig in sich konstistent und erheben nicht den Anspruch, allein richtige Lösungen darzustellen. Sie sind vielmehr Bausteine, mit denen sich der Leser vorzüglich ein eigenes Urteil bilden kann. In der Ausgewogenheit zwischen praktischer und theoretischer Diskussion ist das Buch eine relativ leicht zugängliche Quelle zum Verständnis einer komplizierten Materie. smi

  • Sehr empfehlenswert