Eberhard Schmidt: Ordnungsfaktor oder Gegenmacht. Die politische Rolle der Gewerkschaften. Edition Suhrkamp, Suhrkamp Verlag, Frankfurt. 350 Seiten, broschiert, 8 Mark.

Dem Autor, ehemals Pressereferent beim Vorstand der IG Metall, liegt daran, die Gewerkschaften der Bundesrepublik dazu zu bewegen, "mit Plan und Aktion an der Umgestaltung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse mitzuarbeiten". Eine Degradierung ist es in seinen Augen, wenn die Gewerkschaften sich als "Sozialabteilung der Gesellschaft" verstehen und wenn ihre Theorie sich an "weiterer Integration ins System orientiert". Schmidt will mit seinem Buch einen Beitrag leisten zur Findung einer modernen Gewerkschafts-Theorie. Aufhänger sind ihm dabei die wilden Streiks.von 140 000 Arbeitern und Angestellten zur Zeit der Großen Koalition – im Wahlkampfjahr 1969.

Selbst jener Leser, der weder Zeit noch Lust hat, sich, in die Gedankengänge des Autors zu vertiefen – die gewiß Freunde und Feinde nicht selten zu Widersprüchen reizen –, kann vom Kauf des Werkchens profitieren: Ein gutes Drittel seines Inhalts besteht aus hochinteressanten Dokumenten zu den wilden Streiks. Außer einer internationalen Statistik – die der Bundesrepublik wenig Streikfreudigkeit bescheinigt – finden sich hier Streikflugblätter neben "Bild"-Kommentaren, ein SDS-Aufruf neben dem Brief streikauslösender Gruppen in den Klöckner-Werken und vieles mehr. Der Autor ist fair: Er ermöglicht es jedem Leser, sich sein eigenes Urteil zu bilden. izh

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