Bremen

Noch kein Bremer Wahlkampf war so spannend wie der für die Wahl am 10. Oktober. Halb Bonn ist wechselweise an der Weser. Am Wahltag kommen 200 Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen; im Parlamentsgebäude, dem Hauptquartier, werden, ein Dutzend Studios installiert. Nach groben Schätzungen kostet die Wahlschlacht bisher vier Millionen Mark. Auf 70 Plakatwänden tummeln sich fünf Parteien aus. 252 Kandidaten von SPD, CDU, FDP, NPD und DKP aus Bremen und Bremerhaven bewerben sich um hundert Sitze in der Bremischen Bürgerschaft. Bisher stellte die SPD 50 Abgeordnete, die CDU 32, die FDP zehn, die NPD acht.

Seine Frau sagt: "Wir wissen nicht mehr, wie er aussieht." Seine Freunde sagen: "Wenn er das Pensum nur durchhält." Er selbst sagt: "Ich habe eine gute Konstitution." Hans Koschnick, Regierungschef, Bürgermeister, Präsident des Senats, amtierender Bundesratspräsident, Präsident des Deutschen Städtetages, ist Spitzenkandidat der SPD. Es ist seine erste Landtagswahl als Regierender. Vor ihm verhalf Wilhelm Kaisen der Bremer SPD von einem Sieg zum anderen. Als Kaisen in den Ruhestand ging, verloren die Sozialdemokraten unter Willy Dehnkamp die absolute Mehrheit. Sie holten Koschnick ins Rathaus und an die Parteispitze. Nun will der 42jährige die absolute Mehrheit zurückerobern.

Skandalöses gab es bisher nicht im SPD-Wahlkampf. Parteiinterne Rebellion ist vom Tisch in diesen Wochen. Die Jungsozialisten sind zahlenmäßig gut repräsentiert auf der Liste. Dafür üben sie Parteidisziplin. Daß sie bei Demonstrationen gegen Strauß mitmachten, war wider die Absprache. Zwei heiße Wahlkampfthemen, die Universität und die im Mai aus der Koalition davongelaufene FDP, läßt sich die SPD nur ungern aufdrängen.

Eine Million Mark hat die DKP nach Schätzung von Werbefachleuten bisher in ihren Wahlkampf investiert. Über Geldquellen gibt sie keine Auskunft. Dafür gibt es zahlreiche Gerüchte über kommunistische Arbeit in den Betrieben und in den Abgängerklassen der Oberschulen. Die DKP-Aktivität macht der SPD Sorge; sie bangt um ihre verdrossenen linken Randwähler. Schlagzeilen indes von einer DKP, die an Koschnicks Stuhl sägt, sind für die SPD "unverantwortliche Horrormeldungen, die Panik machen sollen". Von einer ernsthaften linksextremen Unterwanderung könne trotz des aufwendigen DKP-Wahlkampfes keine Rede sein.

Vom Wahlkampf der NPD, die vier Jahre lang im Parlament vertreten war, ist zu sagen, daß es nichts zu sagen gibt. Um diese Partei herrscht Friedhofsruhe.

*