Die Vollversammlung der Vereinten Nationen erlebte eine turbulente Eröffnungswoche. Bombenalarme, Demonstrationen für und gegen den Eintritt Pekings, neue Gerüchte über Mao – zu denen Washington allerdings erklärte, an Nixons Reiseplänen habe sich nichts geändert – und die hitzige Auseinandersetzungen im Sicherheitsrat um die israelische Politik in Jerusalem sorgten für einen bewegten Start. Glatt verlief nur die Wahl des indonesischen Außenministers Adam Malik zum neuen Präsidenten der Vollversammlung. Sein Vorgänger, der Norweger Edward Hambro, malte in seiner Schlußrede ein düsteres Bild von der Finanzmisere der UN, die die Organisation lahmzulegen drohte.

Washington mußte gleich zu Beginn im Lenkungsausschuß eine Niederlage hinnehmen. Die USA hatten zwei Anträge eingebracht: 1. über Ausschluß Taiwans, den die Freunde Pekings gefordert hatten, sollte als "wichtige Frage" mit Zwei-Drittel-Mehrheit entschieden werden, Praktisch wäre also Taiwans Sitz gerettet worden. 2. Peking sollte Sitz und Stimme in der Vollversammlung und im Sicherheitsrat erhalten, Taiwan seine Mitgliedschaft aber behalten.

Beide Anträge, gegen die England und Kanada inzwischen rechtliche Bedenken äußerten, wurden verworfen; statt dessen wurde beschlossen, über den zeitlich älteren albanischen Antrag – Aufnahme Pekings und Ausschluß Taiwans – zuerst abstimmen zu lassen. Doch Washingtons Zwei-China-Resolution wurde auf die Tagesordnung gesetzt. Bei der Eröffnung der Generaldebatte hatten sich 21 Staaten für den albanischen Antrag ausgesprochen; 17 befürworteten eine Mitgliedschaft beider Chinas, 19 wollten den Ausschluß zur "wichtigen Frage" erklären.

Zeitlich parallel mit der China-Diskussion in der UN wurden Gerüchte über eine schwere Erkrankung Maos verbreitet. Andere Quellen sprachen von bevorstehenden inneren Wirren; amerikanische Stationen fingen Funksprüche an chinesische Missionen auf, sich auf einen "Krieg" vorzubereiten. Nach Meldungen aus Tokio wurde für Teile der Armee eine Urlaubssperre verhängt.

Die Spekulationen stützten sich auf drei Tatsachen:

  • Am 11. September wurden die Vorbereitungen für die Mammutparade am 1. Oktober, dem chinesischen Nationalfeiertag, abrupt abgebrochen.
  • Vom 13. bis zum 15. September waren Inlandsflüge über China großenteils eingestellt worden.
  • Am 22. September unterließ der Rundfunk, wie sonst üblich, Mao zu zitieren.

Peking dementierte alle Gerüchte um Maos Gesundheitszustand energisch und bot Erklärungen an: Wirtschaftliche Gründe – Kosten und Produktionsausfall – seien für die Absage der Oktober-Parade maßgebend; der Flugverkehr habe wegen eines Taifun-Ausläufers eingestellt werden müssen; Mao selbst habe den Abbau des Personenkultes angeordnet.