Von Wolfgang Menge

Die Frage "Schützt Vitamin C vor Erkältungskrankheiten, beugt es vor, heilt es?" scheint der Frage zu ähneln: "Um welche Seite unser Herr Jesus wohl um den See Genezareth herumgegangen ist, links oder rechts?" Die Antwort auf beide Fragen lautet: Wir wissen es nicht.

Nun streitet sich, soviel ich weiß, niemand um die Antwort auf die letzte Frage; um die Frage nach der Bedeutung von Vitamin C liegt man sich seit zwanzig Jahren in den Haaren, und wenn nichts dazwischenkommt, wird man sich noch weitere zwanzig Jahre in den Haaren liegen.

Einigkeit dürfte nur mit der Behauptung erreicht werden: Es läßt sich unheimlich viel Geld damit verdienen.

Die Diskussion um den medizinischen Wert wurde erst kürzlich wieder auf Touren gebracht, als vom zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling ein Buch erschien, "Vitamin C and the Common Cold" (New York, 1970), worin Pauling behauptet, daß der tägliche Genuß von 1 bis 2 g Vitamin C vor Erkältungen schütze, 4 g täglich dagegen heile, wenn man schon erkältet sei.

Pauling hält Vitamin C für eine Wunderdroge. Er sei durch einen befreundeten Biochemiker auf dieses Wunder gestoßen worden, sagt Pauling. Dieser hatte behauptet, er verdanke diesem Präparat fünfzig Jahre seines Lebens.

Daraufhin gestattete sich Pauling einen Selbstversuch. Gemeinsam mit seiner Frau nahm er täglich mehrere Gramm Vitamin C. "Wir bemerkten sofort ein gesteigertes Gefühl des Wohlbefindens und vor allem einen schlagartigen Rückgang der Zahl der Erkältungskrankheiten gegenüber früher."