Wenn England sich erkältet, leidet Schottland an Lungenentzündung: Stagnation und Rezession auf den britischen Inseln bedeuten Depression im Norden. Traditionelle Industrien dieser Region – Berg- und Schiffbau, Wolle und Baumwolle – haben keine Zukunft. Glasgow mit einer Arbeitslosenquote von 10 Prozent ist seit dem Kollaps der Upper Clyde – Shipbuilders besonders trank.

Denn, daß alle 8000 Arbeitsplätze inden Clyde-Werften gerettet werden können, scheint ausgeschlossen. Alle Übernahmegespräche sind gescheitert. Die Regierung hat ein Management bestellt für einen neuen Konzern, der aus nur noch einer Werft, Govan, und dem Stahlwerk Linthouse gebildet werden soll.

Dagegen wehren sich aber die Gewerkschaften. Mehr als 2500 Leute nämlich würden darin kaum Beschäftigung finden. Über 5000 Schotten verlieren also ihren Job. Tausend mehr aus vielen Zulieferbetrieben werden sich der Arbeitslosenschlange anschließen müssen.

Helfen sollen nun deutsche Doktoren. James Macfarlane und James Macleod-Williamson, die Grafschaftspräsidenten von Dumbartonshire und Renfrewshire, nördlich und südlich des Clyde, werben um deutsche Investoren. Über 200 Firmen, vor allem in Nordrhein-Westfalen, sollen ihre Zelte in Schottland aufschlagen.

Die gebotenen Vorteile: Genügend Arbeitskräfte und eine ausgebaute Infrastruktur. Die besonderen Lockvögel der beiden Grafschaften: Da sie als "spezielle Entwicklungsgebiete" gelten, erhält der ausländische Investor vom Londoner Schatzamt 45 Prozent der Baukosten und 30 Prozent für Maschinen und Einrichtungen, Kredite zu günstigen Konditionen, Umschulungsbeihilfen und freie Abschreibungsmöglichkeiten.

Musik. für skeptische Ausländer: Seit 1954 hat die britische Thyssen-Tochtergesellschaft erst einen einzigen Streik erlebt. fw