Von Adolf Metzner

Schwer umkämpft ist der Sportartikelmarkt. Da tobt der Schuhkrieg zwischen den feindlichen Brüdern von Herzogenaurach – Adidas oder Puma heißt hier die Parole – oder der Skikrieg in Österreich Kneissel gegen Fischer-Kästle, und beinahe wäre es auch noch zu einem Uhrenkrieg gekommen. Kontrahenten: die Firma Longines aus der Schweiz und die Mannen von Junghans aus der Bundesrepublik. Dieser Kampf ging um Olympia.. Genauer gesagt darum, wer bei den Olympischen Spielen im nächsten Jahr in München die Zeiten messen wird – die Schweizer oder die Deutschen. Longines pochte auf die internationale Routine, Junghans darauf, daß schließlich die Olympiade auf deutschem Boden durchgeführt würde. Nationale Erfahrung konnte von den Schrambergern besonders in der Leichtathletik genügend vorgewiesen werden.

Nach einigen Geplänkeln fand aber dann der Uhrenkrieg nicht statt. Man einigte sich auf einen vernünftigen Kompromiß und teilte sich. die Beute. Junghans wird vor allem die Zeiten auf ein hundertstel Sekunde genau bei den Leichtathleten messen, die zehn volle Tage lang im großen Stadion vor 800 000 Zuschauern die olympische Szene beherrschen werden. Longines dagegen wird bei den meisten übrigen Sportarten, besonders den Schwimmern, ihre Präzisionsgeräte an den Start bringen.

Außer Longines war eine Zeitlang noch ein anderes Schweizer Werk, das sich den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets als Firmennamen gekürt hat, Omega, recht rührig in den Stadien und sogar ein vierter Konkurrent aus dem Fernen Osten hat sich auf dem europäischen Feld blicken lassen, das japanische Unternehmen "Seiko", dessen Werbeslogan "Masters of time" lautet.

Die Überraschung war groß, als bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1969 in Athen die agilen Japaner gegen die europäischen Konkurrenten das Rennen machten. Sie brachten auch gleich eine Neuerung mit, drei Autos nämlich mit aufmontierten... Leuchtschrifttafeln, von denen jeweils von den Zuschauern und Aktiven während des Marathonlaufes die genaue Zeit abgelesen werden konnte. Für München wird diese Idee aufgegriffen und gleich noch perfektioniert. Zur Schonung der ohnehin genug strapazierten Lungen der Adepten dieses asketischen Kultes werden sie nicht auch noch mit den Abgasen der Begleitfahrzeuge belästigt, da Wagen mit elektrischem Antrieb eingesetzt werden.

Bei den diesjährigen Europameisterschaften in Helsinki war wieder Longines an der Reihe, wobei die komplette Zeitmeßanlage im Werte von mehreren hunderttausend Mark dem Veranstalter kostenlos zur Verfügung gestellt wurde und die nötigen Fachleute noch gratis dazu.

Sportbegeisterung allein ist es nicht, die einzelne große Uhrenfirmen bewegt, so altruistisch zu handeln. Eine sich über sechs Tage hinziehende Veranstaltung wie diese Europameisterschaften, die täglich über Eurovision mehrere Stunden übertragen wird, bietet natürlich eine einmalige Gelegenheit zur Reklame, die von den Fernsehleuten etwas unfreundlich als Schleichwerbung bezeichnet wird. Von den Ausrichtern wurde bisher stillschweigend geduldet, daß das betreffende Unternehmen am Ziel seinen Firmennamen anbringen darf, der dann immer Wieder auf den Fernsehschirmen erscheint.