Das Regime Suharto in Indonesien hat in letzter Zeit zweimal international an Prestige gewinnen können: einmal durch die Wahl des Außenministers Malik zum Präsidenten der UN-Vollversammlung, sodann durch den Staatsbesuch des niederländischen Königspaares in der ehemaligen Kolonie. Die Bilanz des Regimes weist sowohl positive als auch negative Seiten auf: eine beträchtliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage (schlechter konnte sie freilich nicht werden!) auf der einen Seite und eine verblüffend große Korruption auf der anderen. Bedenkt man noch die ungerechte Behandlung der Kommunisten und jener Bürger, die für Kommunisten gehalten werden, so ist man geneigt, Suharto und seine Politik doch eher kritisch als positiv zu beurteilen. Doch wäre zunächst abzuwarten, wie der durch die jüngsten Wahlen gestärkte Suharto nun mit seiner Politik fortfahren wird.

Für einen Überblick über das Land und seine Zeitgeschichte sind die folgenden beiden Neuerscheinungen zu empfehlen:

Bernhard Dahm: "History of Indonesia in the Twentieth Century"; übersetzt von P. S. Falla; Praeger Publishers, London/New York 1971; 321 Seiten, $ 8,50;

Vincent Monteil: "Indonesie"; Horizons de France, Paris 1970/71; 240 Schwarzweiß-, 32 Farbphotos; 8 Karten, 288 Seiten, 96 F.

Dahm, der bereits mit seinem Werk über "Sukarnos Kampf um Indonesiens Unabhängigkeit" (Frankfurt/Berlin 1965) hervorgetreten ist, behandelt detailliert Ursprünge, Entwicklung und Gegenwart des indonesischen Nationalismus: Die holländische Kolonialverwaltung hat nur langsam auf das nationale Erwachen der Indonesier reagiert. In der Verfassung von 1925 wurden schließlich Provinzräte geschaffen. Ein Zentralparlament, "Volksraad" genannt, wurde aber erst 1941, als die Japaner schon vor der Tür standen, für die Zeit nach dem Kriege in Aussicht gestellt. Sukarno war es, der während der Besetzung Indonesiens durch die Japaner die Rolle des nationalen Befreiers spielte. Dahm stellt heraus, welch großen Einfluß die Japaner auf die indonesische nationalistische Bewegung (1942/45) genommen haben.

Die "gelenkte Demokratie" Sukarnos von 1957 bis 1965 und Suhartos "Neue Ordnung" werden von Dahm ausgewogen bewertet. Das Buch schließt mit einer Prognose zu den jüngsten Wahlen: "Es ist klar, ... daß die zweiten allgemeinen Wahlen in der Geschichte Indonesiens nicht im westlichen Sinne frei sein werden. Die neuen Herrscher möchten gern demokratisch erscheinen, aber sie haben gleichzeitig dafür gesorgt, daß ungeachtet des Wahlausgangs ihre Macht in absehbarer Zeit ungeschwächt bleibt."

Freimütiger klingt das gleiche Bedenken durch, wenn Monteil in seinem großartigen Bildband Indonesien als Paradies der Mächtigen und Reichen darstellt, wo die landlosen Bauern und gefangengehaltenen Kommunisten wenig zu lachen haben. Und dennoch versucht der französische Autor, ein bekannter Islamist, das Reich der 13 000 Inseln und 130 Millionen Einwohner wenigstens als Naturparadies anzupreisen: je ursprünglicher, desto schöner! Einen modernen Indonesier würde allerdings diese Grundeinstellung des Autors mit gemischten Gefühlen erfüllen. Denn der Autor will in Indonesien nicht das sehen, "was uns ähnelt", sondern das Ur-Indonesische mit seinen primitiven Sitten und Gewohnheiten, die ja nur so lange unverändert bleiben, wie Indonesien nicht von Technik und Industrialisierung erfaßt, sondern "Entwicklungsland" bleiben wird. Der Autor scheint sich dessen gar nicht bewußt geworden zu sein. Abgesehen von diesem Schönheitsfehler, ist das Panorama sehr eindrucksvoll, geeignet auch als Nachschlagewerk für Lehrer der Landeskunde.