Hamburgs Bankiers sind verschnupft. Zum erstenmal werden in der Hansestadt Anteile an einer Bank über ein Vertreternetz an den Mann gebracht. In diesen Tagen ist nämlich "ausgesuchten" Leuten durch die "Consulta" Wirtschafts- und Finanzberatung GmbH & Co in Köln ein Emissionsangebot von 20 Millionen Mark Gesellschaftskapital der "IFA AG für Investitionsförderung & Co Vermögensanlagen KG Zweite Beteiligungs-Kommanditgesellschaft" für die Beteiligung an der Hamburger Handelsbank GmbH & Co auf den Tisch geflattert.

Als Vorteil dieser Beteiligung wird den Zeichnern eine "Verlustzuweisung" von ungefähr 100 Prozent des Zeichnungsbetrages zugesagt. Auch das ist im deutschen Bankgewerbe ein Novum. Noch nie ist öffentlich für eine Bank mit den bei ihr eingetretenen Verlusten Kapital eingeworben worden. Mit gutem Grund wurde auf solche Methoden verzichtet; denn der Bankiersberuf fußt auf dem Vertrauen der Kunden, der Öffentlichkeit also. Die Pleite eines Konkurrenten macht den Privatbankier nicht froh, weil sie am Ruf seines Standes zehrt. Deshalb ist man bemüht, Bankinsolvenzen "unter der Hand" zu bereinigen. Die Kundschaft soll nach Möglichkeit kein Geld verlieren. Wer sich gewissen Spielregeln unterwirft, kann mit Hilfe aus dem sogenannten Feuerwehrfonds rechnen, den die Banken für "Notfälle" ins Leben gerufen haben.

Die Geldeinsammler für die Beteiligung an der Hamburger Handelsbank fühlen sich frei von solchen Standesüberlegungen. Ihnen winkt nicht nur eine hohe Provision; sie haben auch noch recht zugkräftige Argumente zur Hand, mit denen sie ihr ungewöhnliches Geschäft betreiben.

Die Verluste, mit denen hier geworben wird, sind nämlich nicht bei der Hamburger Handelsbank GmbH & Co selbst entstanden, sondern bei ihrer Vorgängerin, der Hamburger Privatbank Möhle & Co. Ihre Altgesellschafter, darunter der frühere Geschäftsinhaber Ernst Schacht, Präsident des Hamburger FC St. Pauli, haben Verluste produziert, die weit über das damalige Eigenkapital der Bank hinausgingen und die auf 40 bis 80 Millionen Mark geschätzt werden. Dem Hamburger Bankplatz wäre eine saftige Pleite sicher gewesen, wenn man nicht in allerletzter Minute eine elegante Lösung gefunden hätte.

Einige größere Gläubiger, so die schweizerische Hoffmann-La-Roche-Gruppe und die Banque Commerciale S. A. in Luxemburg, wären bereit, ihre Forderungen einzufrieren und darüber hinaus neues Kapital einzuschießen. Um die Bank aber arbeitsfähig zu machen, brauchte man noch mehr Kapital, und vor allem eine neue Geschäftsführung. Man fand sie in Dr. Heinz Lotze und Fritz Stratmann. Beide sind persönlich haftende Gesellschafter des Bankhauses A. Glocke & Co KG in Duisburg (Kapital bis zum Jahresende 1971: 10 Millionen Mark. Je 25 Prozent bei den persönlich haftenden Gesellschaftern, 50 Prozent beim Bankgeschäft Mertz & Co in Hamburg).

Die Glocke-Geschäftsführer gelten als Initiatoren der schon eingangs erwähnten IFA, einem Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, seinen Kapitalgebern gute Abschreibungsobjekte in Berlin, im Zonenrandgebiet, in Spanien und anderen Gegenden zu vermitteln und sie zu verwalten. Die IFA wurde flugs auch zur Sanierung der Möhle-Bank eingesetzt, wo ebenfalls erhebliche Steuervorteile winken. Über die IFA werden der Hamburger Handelsbank die 20 Millionen Mark zugeführt werden.

Danach sieht der Gesellschafterkreis so aus: