Von Jens Friedemann

Der Liebling des Anlagemarktes von 1971 ist der Immobilienfonds. Täglich schießen neue Fonds aus dem ’ Boden. Zur Zeit existieren davon etwa 200 in der Bundesrepublik. Haus und Boden sind Sachwerte und fast unabhängig von der monetären Entwicklung. Keine Wirtschaftsflaute und keine Währungskrise können den Anleger treffen, der sich unter das schützende Dach eines eigenen Hauses geflüchtet hat. Im Gegenteil, während fast alle anderen Formen der Geldanlage in den vergangenen Jahren Federn lassen mußten, erzielten die Besitzer von Liegenschaften eine hohe Rendite. Die steigenden Bau- und Bodenpreise lassen den Wert wachsen, Mieteinnahmen und steuerliche Vorteile sorgen für eine kontinuierliche Verzinsung.

Nachteile – so scheint es auf den ersten Blick – gibt es nicht: Es – ist kaum damit zu rechnen, daß der Privatbesitz über Nacht abgeschafft wird – und falls doch, dann ist es sowieso uninteressant, wo man seine Vermögenswerte angelegt hat. Selbst wenn sich der Immobilienmarkt beruhigen sollte, wie es von einigen Maklern in der Bundesrepublik in letzter Zeit des öfteren angedeutet wurde, liegt immer noch "eine Menge drin".

Die Geldanage in Liegenschaften war bis vor wenigen Jahren den kapitalkräftigen Investoren vorbehalten. Erst die Eigentumsstückelung machte den Markt für die kleinen und mittleren Anleger transparent. Für 50 oder 100 Mark kann heute jeder ein Immobilienzertifikat erwerben.

Leider bemerken viele Anleger nicht, daß sie die bekannten Steuer- und Prämienvorteile, die mit dem Hauserwerb verbunden sind, gar nicht bekommen und statt eines Anteils an Haus und Boden eine Aktie erworben haben, deren Wert Schwankungen unterliegt. Andere Anleger reizt die grundbuchamtliche Absicherung ihres Vermögens – bis sie plötzlich feststellen müssen, daß ihre Zertifikate nahezu unverkäuflich sind. Bislang hörte man nur von den Vorteilen eines Immobilienbesitzes, wie sollte man unbekannte Gefallen entdecken?

Der Erwerb von Immobilien – direkt oder über Zertifikate – ist in jedem Fall eine langfristige Anlage, wenn nicht sogar eine Anlage auf Lebenszeit. Aber selbst solche Anleger, die bereit sind, auf die Liquidität ihres Vermögens weitgehend zu verzichten, können unter Umständen ein Verlustgeschäft machen. Wer die Spielregeln der Investmentfonds nicht kennt, der gefährdet seine Interessen.

Die Auswahl unter den verschiedenen Fondstypen wird von der Höhe der Steuerprogression des Anlegers bestimmt. Da die Rentabilität der Anlage besonders für hohe Einkommensbezieher von den steuerlichen Vorteilen abhängt, kommen für sie nur die geschlossenen Fonds in Frage. Sie geben – anders als die offenen Fonds – die Vor- und Nachteile eines Immobilienbesitzes direkt an den Zertifikatinhaber weiter.