Ein finnischer Badespaß half Deutschlands Sauna-Bauern, sich gesund zu schwitzen. Die Sauna – von Bade-Usancen des Altertums abgesehen – seit Jahrhunderten finnisches National-Prunkstück, breitete sich im letzten Jahrzehnt explosionsartig in Mitteleuropa, den USA, Japan und Australien aus. Die Deutschen wurden nach den Skandinaviern das schwitzfreudigste Volk und erlebten 1970 einen wahren Sauna-Boom (rund 10 000 Neubauten; Gesamtbestand: fast 25 000).

Das Geschäft entwickelt sich so überraschend gut, daß immer mehr ehemalige Heizungs- und Elektroingenieure, aber auch Masseure beschließen, Sauna-Unternehmer zu werden. Gewinn ist ihnen – dank teilweise hoher Exklusivpreise – so gut wie sicher. Hotels, Hallenbäder und öffentliche Saunen kassieren zwischen 3,50 und zehn Mark pro Besuch für einen zwei- bis dreistündigen Sauna-Aufenthalt mit Leih-Badetüchern. Reich frequentierte Bäder erheben sogar den stattlichen Preis von gut 15 Mark, Sonderleistungen (Höhensonne oder Sportstudio) inbegriffen.

Das Charakteristische der Sauna ist die erhitzte trockene Luft. Durch einen speziellen Ofen – heute fast ausschließlich elektrisch beheizt – wird die Luft auf Temperaturen von 35 bis 40 Grad Celsius in Fußbodennähe und 90 bis 100 Grad Celsius unmittelbar an der Decke erhitzt. Die Luftfeuchtigkeit darf jedoch nur 10 bis 20 Prozent betragen. Denn feuchte Luft, über 45 Grad erhitzt, könnte Verbrennungen hervorrufen. Holzwände sollen für eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit sorgen. Dampf-, Nebel- und Schwitzkastenbäder haben mit der Sauna nichts zu tun. Der sogenannte Aufguß, bei dem kaltes Wasser auf die über dem Ofen liegenden glühenden Steine gegossen wird, soll lediglich von Zeit zu Zeit "anregen". Feuchtigkeit allerdings gibt der Körper ab: 400 bis 800 Gramm Wasser.

Diesem Streß verdanken die gewerblichen Sauna-Besitzer eine weitere lukrative Einnahme-Quelle. Vom Schwitzen und anschließendem kalten Bad "erledigt", zieht es die Sauna-Gäste nur allzu schnell in die bei vielen Saunen aufwendig hergerichteten Bars. Der Umsatz an Speisen und Getränken entspricht dem eines Restaurants.

Und die Gäste zahlen den Preis. Schließlich ist "in", wer in der Sauna Stammgast ist. "Bei uns", so resümierte der Hamburger Psychologe Ernst-Albert Naether die Ergebnisse einer marktpsychologischen Umfrage, "wird die Sauna immer mehr zum Treffpunkt für Leute aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Werbung. In der finnischen Badestube beredet man Probleme, weil man unter sich ist. Die Sauna beginnt, etwas vom Literaten-Café vergangener Jahrzehnte anzunehmen". Versteht sich von selbst, daß sich die Gäste "nicht lumpen lassen".

Der Zugang zu diesem Geschäft ist für gewerbliche Sauna-Besitzer recht leicht. Stehen erst einmal die Räume zur Verfügung – es gibt baupolizeiliche Auflagen –, so kostet die Sauna 10 000 bis 11 000 Mark; für Bareinrichtung – je nach Ausstattung – noch einmal die gleiche Summe. Bedingung für die Besitzer: Sie müssen geprüfte Bademeister und Masseure anstellen.

Wieviel genau zu verdienen ist, läßt sich kaum ein Sauna-Chef entlocken. Sicher ist nur: Das einträglichste Geschäft sind Gemeinschaftssaunen. Sie werden von Tag zu Tag voller und ziehen den für Männer und Frauen getrennten Saunen zahlungskräftiges Publikum ab. "Mixed"-Saunen kommen nicht selten auf einen Tagesumsatz – einschließlich Bar – von 5000 bis 8000 Mark.