DIE ZEIT

Barzel auf der Zentrifuge

Die Christlich-Demokratische Union wagt nächste Woche auf ihrem Parteitag mehr Demokratie, als dies bei den anderen Parteien üblich ist.

Abschied von Floras Feder

Dies ist eine besonders bemerkenswerte Ausgabe. Nicht, weil eine sensationelle Serie begänne, sondern weil etwas endet, was vierzehn Jahre lang unser Stolz und der Leser Vergnügen war.

Feier ohne Mao

Als Hitler zum erstenmal den Reichsparteitag abblies, setzte er ein unübersehbares Zeichen nahenden Unheils. Als Mao Tse-tung (oder wer auch immer) zum erstenmal seit 21 Jahren die traditionelle Parade zum Gründungstag der Volksrepublik China absagte, rätselten die Auguren in Ost und West vierzehn Tage lang vergebens über den Sinn dieses Beschlusses.

Währungs-Wirrwarr

Keine Hoffnungen sind das einzige Ergebnis des Mammuttreffens in Washington, auf dem 118 Wirtschaftsminister und Notenbank-Chefs einen Ausweg aus der Weltwährungskrise finden wollten.

ZEITSPIEGEL

„Das kommt mir so vor, als werde da ein Radrennen beschrieben: Meine Damen und Herren, jetzt liegt der Franzose an der Spitze, aber er hat Mühe, mit dem Deutschen mitzukommen.

Kühler Kopf, kalte Füße

Es gibt im Westen nur zwei, drei Porträtphotos von ihm: Sie zeigen ein weichgeschnittenes, faltenloses Gesicht, volles, weißgraues Haar und kleine Augen hinter einer randlosen Brille.

Wenn die Pfeiler wanken

Die Kutte macht noch keinen Mönch, sagt ein Sprichwort der Italiener. Aber die gleichen langen Hosen, deretwegen noch vor Jahren jede Frau in der Ewigen Stadt vor der Kirchentür bleiben mußte, wurden in diesem Hitzesommer das Geschäft fliegender Händler just vor dem Petersdom.

Ost-Berlin windet sich

Die DDR gibt sich gegenüber Bonn unnachgiebig und zugleich widerspruchsvoll. Es scheint, als wolle sie die deutschen Verhandlungen über das alliierte Berlin-Abkommen ernsthaft verzögern.

Ende der Spiegel-Apo

Rudolf Augstein, der Herausgeber des Hamburger Nachrichtenmagazins Der Spiegel zog am letzten Wochenende die Kommandeurs-Flagge auf und beendete damit eine Krise, die sein Blatt in die Schlagzeilen der Zeitungen gebracht hatte.

Keine Nacht der langen Messer

Die Redaktion des SPIEGEL hat vor zwei Jahren einen unwiderruflichen Weg in die verantwortungsbereite Mitbestimmung angetreten.

Schläger und Schreiber

Die Gefahr ist gebannt, daß es dem Jungfaschisten Viktor Gislo für seine Brandt-Ohrfeige so ergehen könnte wie vor drei Jahren Beate Klarsfeld, als sie Kurt Georg Kiesinger ins Gesicht schlug.

Zweierlei Maß

Vor 25 Jahren verurteilte ein amerikanisches Militärgericht in Manila den japanischen General Yamashita zum Tode, weil seine Truppen auf den Philippinen wehrlose Menschen niedergemetzelt hatten.

Burgfriede in Belgrad

Zum ersten Male seit vielen Jahren verschickte der jugoslawische Staatspräsident Tito Einladungen in kyrillischer Schrift: zum Galaempfang für Leonid Breschnjew.

Mehr Vertrauen in die Ordnungsmacht

Ich bin jetzt 13 Jahre Polizeimeister. Ich wurde es aus Idealismus. Aber ich wage die Prognose, daß sich eines Tages niemand mehr den Verbrechern entgegenstellt, weil er die Kugel von vorn und die Kritik und die Pöbeleien von hinten satt hat.

Anklage auf tönernen Füßen

Wir wollen keinen Bürgerkrieg, wir kämpfen für eine schönere und bessere Bundesrepublik.“ So bieder warb ein Delegierter auf dem ersten Parteitag der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) 1969 für sich und seine Genossen.

Süßsaures aus Paris

Der französische Staatspräsident Pompidou hat in seiner Pressekonferenz die Bonner Ostpolitik nicht nur „schwierig und mutig“ genannt.

Wer schiebt wen auf den Vorstandsstuhl?

Nur wenige Tage vor der Saarbrücker Entscheidungsschlacht um den CDU-Vorsitz könnte man glauben, daß es dabei weniger auf die Feldherren selbst als auf ihre Generale ankomme.

Teure Wäsche

Ein Rangierer plauderte. Die Bundesbahn dementierte nicht. Die Meldung vom nächtlichen Geisterzug stahl vorübergehend allen Wahlkampfberichten in der Bremer Presse die Schau.

Kleines Echo auf großen Wirbel

Hamburgs Justizsenator Heinsen betrachtet den Streik der hanseatischen Anwälte gelassen. Bislang haben bei ihm noch keine Richter angerufen und ihm verkündet, sie müßten einen Strafprozeß vertagen, weil der Herr Pflichtverteidiger in den Streik getreten sei.

Auf Stimmenfang mit Pop-Plakaten

Noch kein Bremer Wahlkampf war so spannend wie der für die Wahl am 10. Oktober. Halb Bonn ist wechselweise an der Weser. Am Wahltag kommen 200 Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen; im Parlamentsgebäude, dem Hauptquartier, werden, ein Dutzend Studios installiert.

Kubel als Kammerjäger

Die konservative. Presse im traditionsbewußten Niedersachsen witterte Unrat. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Alfred Kübel setzte zum wiederholten Mal zum Angriff an auf eine Institution, die ihre Unabhängigkeit über 150 Jahre lang vor staatlichem Zugriff bewahrt hat.

Pfälzer Sündenbabel

Nach der Predigt waren sich die geistlichen Herren der neun Kirchen in dem oberpfälzischen Städtchen Weiden protestantische einma einig.

Streit um Kränze

Wenn es eine „große“ Leiche gab, dann war der etwa dreißig Quadratmeter große Altarraum so voll von Blumen und Kränzen, daß der Pastor nicht am Sarge sprechen konnte.

Dreimal Indonesien

Das Regime Suharto in Indonesien hat in letzter Zeit zweimal international an Prestige gewinnen können: einmal durch die Wahl des Außenministers Malik zum Präsidenten der UN-Vollversammlung, sodann durch den Staatsbesuch des niederländischen Königspaares in der ehemaligen Kolonie.

Was ist richtig?

Hans Ryffel: „Grundprobleme der Rechts- und Staatsphilosophie. Philosophische Anthropologie des Politischen“; Hermann Luchterhand Verlag GmbH, Neuwied und Berlin 1969; 544 S.

Memoiren als Lebensretter

Englands Premierminister nehmen ihren Biographen die Arbeit gern vorweg. Attlee („As it happened“), Churchill („The Second World War“), Eden („Memoirs“, 3 Bände) und Macmillan („Memoirs“, 4 Bände, ein fünfter folgt) haben das Vierteljahrhundert seit Kriegsbeginn aus ihrer Sicht dargestellt.

Krisenherde der Woche

Eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen hat sich das innenpolitische Klima Südvietnams rapide verschlechtert. Seit der Senat in der vergangenen Woche Präsident Thieu vergeblich aufforderte, die Wahl, bei der er einziger Kandidat ist, abzusagen, nimmt die Opposition zu.

Wieland Europa: Streit beendet

Es sei sicher nicht der glücklichste Tag seines politischen Lebens gewesen, meinte Ralf Dahrendorf, Mitglied der EWG-Kommission, nach der jüngsten Debatte des Europäischen Parlaments in Luxemburg.

Gerüchte um Mao Tse-tung

März 1966: Mao wurde seit dem 26. November 1965 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Spekulationen über Tod, Rücktritt, innere Wirren.

Kein Erfolg in Belgrad

Der viertägige Besuch von KP-Chef Breschnjew in Jugoslawien hat beiden Seiten nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Nach „intensiven Debatten“, denen Breschnjew sogar einen geplanten Jagdausflug opferte, unterzeichneten er und Marschall Tito eine gemeinsame Erklärung, die zwar das Recht eines jeden sozialistischen Landes auf den eigenen Weg gemäß seinen „Besonderheiten“ konstatiert, aber die Lehre von Marx, Engels und Lenin zur „unabänderlichen Grundlage“ erklärt (siehe Dokumente der ZEIT).

Dokumente der ZEIT

„Die Kommunistische Partei der Sowjetunion und der Bund der Kommunisten Jugoslawiens lassen sich davon leiten, daß unabänderliche Grundlage für die Politik der kommunistischen und Arbeiterparteien, die im Kampf um den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft an der Spitze ihrer Völker und der Arbeiterklasse stehen, heute und in Zukunft nur die Lehre von Marx, Engels und Lenin sein kann, die entsprechend den Besonderheiten jedes Landes angewendet und entwickelt wird.

Krim-Reise: Debatte hält an

Die innerpolitische Auseinandersetzung um die Ostpolitik und die Krim-Reise von Bundeskanzler Brandt dauert an. Im Bundestag warf die Opposition der Regierung in einer aktuellen Stunde vor, die Gewichte zum Nachteil des Westens verschoben und die Spaltung Deutschlands besiegelt zu haben.

SALT: Kleiner Fortschritt

Die fünfte amerikanisch-sowjetische Runde der Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) ging am vorigen Freitag in Helsinki nach 22 Begegnungen zu Ende.

London weist 105 Sowjetbürger aus

„Recht energisch“ – so der britische Außenminister Douglas-Home –, aber vergeblich, protestierte sein sowjetischer Amtskollege Gromyko noch am Montag in New York gegen den Beschluß der britischen Regierung Tom vergangenen Freitag, wonach 90 Sowjetbeamte England innerhalb von 14 Tagen verlassen müssen.

Vom Experiment zum Modell

In der „Grundschule III“ am Rande der Frankfurter Nordweststadt, der berühmten Satellitenstadt in der Mainmetropole, war es so: Zum Beginn dieses Schuljahres standen 150 ABC-Schützen vor der Tür.

Vierfarben-Dreck

Seit gut einer Woche erscheint in Hamburg eine neue Wochenzeitung. Ihr Titel –"Die Zwei" – drückt aus, daß sie aus zweien besteht: aus einer Funkprogrammzeitschrift, die eingelegt ist in eine sogenannte Familienzeitschrift, welche nicht nur regenbogenbunt gedruckt ist, sondern in ihrem Inhalt genau dem entspricht, was man Regenbogenpresse nennt.

Albert Speer, aber gemütlich

Die Hauptstadt Washington hat ein Faible für aufgeblasene Monumente und endlose Korridore. Sie verwendet Marmor wie Baumwolle.

Wüste Mischung, aber schick

Der große Palast am Potomac wurde mit Leonard Bernsteins „Mass“ (Messe) offiziell eröffnet. Die Natur dieser Musik wird das Kennedy Center noch in einer weiteren Hinsicht umstritten machen.

ZEITMOSAIK

Trotz CSU-Repressionen und Kündigung des Dramaturgenpostens am Stadttheater Würzburg wird Erich Michalka seine politische Theaterarbeit fortsetzen.

Sirene einer falschen Utopie

Fünf Musiker in blutbeschmierten weißen Kitteln sitzen im Zentrum der Bühne, der Bratschist humpelt mit Gipsbein und Krücke herein: Die berühmte alte Besetzung von Schönbergs „Pierrot Lunaire“ symbolisiert diesmal eine moribunde Ästhetik.

Planet Meer

Ein Planet auf unserem Planeten Erde. Ein Gegenplanet: Planet veränderter Erfahrungen, Herausforderung eines anderen Lebens.

Kunstkalender

Weit über hundert Blätter geben eine Übersicht über die Graphikproduktion, die Hans-Georg Rauch unter der Marke „Rauchzeichen“ seit sieben Jahren in der ZEIT und anderswo oder aber bisher noch nicht publiziert hat.

Das verflixte R

Ein kleines Werk über Hölderlin, der „Versuch einer Biographie von innen“ (essai de biographie Interieur), ist einem größeren Leserkreis in Deutschland erst fünfunddreißig Jahre nach seinem Erscheinen bekanntgeworden.

Ausverkauf bei Bauer

Im Hinausgehen, nach einem Buh-Konzert mit obligater Trillerpfeifenbegleitung, meinte eine Wiener Dame: „Das ist sicher wieder ein Stück für Deutschland.

Bayern, Sport, frische Luft

Am 7. Oktober erscheint im Biederstein Verlag, München, Herbert Rosendorfers Beitrag zur Olympiade, nämlich das „Aechte Münchener Olympia-Buch“.

Erzählung von Eva Zeller: Der Turmbau

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Eva Zeller

EVA ZELLER, 1923 in Eberswalde geboren, studierte Germanistik und Philosophie, lebte von 1956 bis 1962 in Südwestafrika und veröffentlicht seit 1956 Prosa und Lyrik.

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