An Herzinfarkt muß keiner mehr sterben.“ Diese frohe Kunde kommt aus Offenburg an der Kinzig. Sie ziert das Titelblatt der dort erscheinenden Bunten Illustrierten, deren Redakteur Peter Schmidsberger offenbar fest entschlossen ist, der Theorie des Stuttgarter Facharztes Berthold Kern über die Ursache der gefährlichen Zerstörung von Herzgewebe endlich zum Durchbruch zu verhelfen.

Ein Vierteljahrhundert lang verficht Kern schon seine unkonventionelle Lehre von der Entstehung und der Therapie des Herzinfarkts – vergeblich. Die Schulmedizin, die auf ihrer Lehrmeinung über die Herzkatastrophe beharrt, schweigt ihn tot. Und das, obwohl eben diese Lehrmeinung „von Anfang an nicht haltbar war“, was, so Schmidsberger in der Bunten weiter, „eine ganz einfache Überlegung zeigt“.

Seit Jahrzehnten also halten die Medizinprofessoren der ganzen Welt an einer Infarkttheorie fest, deren Haltlosigkeit Bunte-Leser nach einfacher Überlegung sofort erkennen. Da kann doch wohl nur Bösartigkeit im Spiel, sein. Man gönnt dem Außenseiter nicht den Ruhm – die alte Geschichte.

Kein Wunder, daß sich der von so viel Borniertheit frustrierte Arzt schließlich an den Bilderblatt-Redakteur wandte, damit dieser die wundersamen Erfolge des Doktor Kern ins rechte Licht der Öffentlichkeit rücke.

Nicht nur in der Bunten Illustrierten unternahm Dr. Schmidsberger den Werbefeldzug für Dr. Kerns Herztherapie; er inspirierte auch das Fernsehen und einige Zeitungen zu gleichem Tun. Das bot sich jetzt geradezu an. Denn soeben hat in der DDR der Universalforscher Manfred von Ardenne eine Arbeit veröffentlicht, mit der er Kerns Theorie bestätigt zu haben glaubt. Der Dresdener Physiker ist selbst ein verkannter Außenseiter der Medizin; er hat eine Krebstherapie erfunden.

Für den Bunte-Verleger Franz Burda fügt es sich gut, daß das von Schmidsberger aufgegriffene Thema zu jenen gehört, die Illustrierten-Leser stets heftig bewegen. Burda hat hier einschlägige Erfahrung vorzuweisen.

Vor einigen Jahren versprach seine „Bunte Illustrierte“ den Krebskranken Heilung von ihrem Leiden mit dem angeblichen Wundermittel Bamfolin aus Japan. Zwar stellte sich alsbald heraus, daß die Schulmediziner, die in ihrer Arroganz das Bamfolin von Anfang an als Produkt übler Quacksalberei verdächtigten, recht gehabt hatten. Doch konnte ihr Protest gegen die Illustrierten-Kampagne nicht den durchschlagenden Erfolg der Bunte-Sensation verhindern. Die von der Zeitschrift genannten und abgebildeten Ärzte, die Bamfolin verordneten, konnten den lawinenartig anschwellenden Zustrom von Krebspatienten bald nicht mehr bewältigen. Und als hierzulande die Wunderdroge knapp wurde, schleppte sich so mancher der bedauernswerten Kranken bis nach Tokio, um sie dort einzukaufen.