Neu in Museen und Galerien:

Hannover Bis zum 31. Oktober, Wilhelm-Busch-Museum: "Rauchzeichen"

Weit über hundert Blätter geben eine Übersicht über die Graphikproduktion, die Hans-Georg Rauch unter der Marke "Rauchzeichen" seit sieben Jahren in der ZEIT und anderswo oder aber bisher noch nicht publiziert hat. Sind die Rauchzeichen Karikaturen? Rauch hält sich nicht an die Regeln des Metiers, weder kommentiert er ein aktuelles Ereignis, noch illustriert er ein vorgegebenes Thema. Am Anfang ist nicht das Wort samt sozialkritischem Inhalt, am Anfang sind der Strich, die Linie oder auch der Klecks, der, indem er aufs Papier kleckst, die Geschichte in Gang setzt; der Klecks erzeugt Panik, die Strichmännchen rennen auseinander, nur eines, das Malermännchen, trägt einen Ausschnitt aus der Kleckserei vergnügt von dannen: das Tafelbild. Primat der Graphik vor der Idee: die Schraffuren einer wunderschönen alten Kirche machen sich selbständig, werden von der Architektur abgelöst und auf die andere Seite transportiert, Bauteile für gerasterte Hochhäuser. Resultat dieser Vergangenheitsbewältigung auf rein zeichnerisch-formaler Ebene: "Schatten der Vergangenheit". Ein Kirchengewölbe steht kopf die Säulenschäfte ragen ins Leere, in den Ornamenten verstecken sich akribisch gezeichnete Kutten- und Würdenträger. Das wundervolle Spiel mit Ornament und Perspektive dekouvriert sich am Ende als "Kirchenreform". Eine großmäulige Kuh verspeist die zarten Linien der Berge in der "Schweiz". Der zeichnerische Witz dominiert die inhaltliche Pointe. Er ist in die Linie eingewickelt, der Betrachter muß ihn aus der Linie herausspülen.

Nürnberg Bis zum 31. Dezember, Germanisches Nationalmuseum: "Malerei und Graphik der Dürerzeit"

Die Dürerjubiläumsschau der Superlative (die größte, die teuerste, die meistbesuchte) findet in den gleichen Räumen eine bescheidenere, durchaus sehenswerte Fortsetzung. Das ungefähr gleiche Thema, Malerei und Graphik der Dürerzeit, wird mit dem beträchtlichen Eigenbesitz des Museums dargestellt. Die Dürer-Originale sind an die Leihgeber zurückgegangen (nur die drei nach Nürnberg gehörenden Dürerporträts sind in der Ausstellung geblieben), das Schwergewicht hat sich auf die Zeitgenossen verlagert. Man sieht jetzt die Bilder, die in der großen Jubiläumsschau nicht vorgezeigt würden, weil sie sich zu Dürer nicht in Beziehung bringen lassen, in erster Linie also Altdorfer und die Malerei der Donauschule. Zu den großartigen Nürnberger Altdorferbildern ist kürzlich eine bedeutende Neuerwerbung hinzugekommen: eine bemalte Tischplatte aus der Werkstatt Altdorfers, mit einer Türkenschlacht, eine auf das Tischmaß Und für den Hausgebrauch reduzierte, aber immer noch furiose Parallele zur "Alexanderschlacht". Die Graphik der Donauschule ist vor allem mit einigen phantastischen Landschaften von Augustin Hirschvogel und Hans Lautensack belegt. Die Ausstellung ist regional gegliedert, für Sachsen werden die beiden Cranachs, für die Malerei am Oberrhein Hans Baldung Grien (der eine Zeitlang bei Dürer gearbeitet und sich in den späten Bildern, die dem Germanischen Nationalmuseum gehören, weit von ihm entfernt hat) und der jüngere Holbein mit dem Xylotectus-Porträt zitiert. Gerade weil die großen Zeitgenossen Dürers hier mit exzellenten Beispielen vertreten sind, bedeutet die Ausstellung eine wichtige kunsthistorische Korrektur gegenüber der Jubiläumsschau, die den Eindruck vermittelt hat, als ob alles, was außer Dürer und neben ihm geschah, entweder von ihm beeinflußt oder zweitrangig gewesen wäre. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Berlin Bis zum 7. November, Nationalgalerie: "Metamorphose des Dinges"