Von Gunhild Freese

Für 1566 Beschäftigte der Georgsmarienhütte bei Osnabrück wird der 1. Oktober zu einem grauen Freitag: Sie müssen – so beschloß ihr Arbeitgeber, die Duisburger Klöckner-Werke AG –, "bis auf weiteres" kurzarbeiten. Überdies sollen im Oktober und November jeweils 49 Klöckner-Ar’beiter entlassen werden.

Vom 4. Oktober an werden sich 1600 Mann der Thyssen-Niederrhein AG in den Werken Duisburg und Oberhausen auf eine kurze Woche umstellen müssen: Sie sollen statt bislang 40 nur noch 32 Stunden arbeiten.

Auch die August-Thyssen-Hütte (ATH) verordnete für 275 ihrer Mitarbeiter Kurzarbeit: An zwei Walzstraßen der Duisburger Hüttenwerke Ruhrort und Bruckhausen werden ab 7. Oktober beziehungsweise 18. Oktober 32 statt bislang 40 Stunden in der Woche gearbeitet.

"Die Zahl der Kurzarbeiter in der Bundesrepublik", so meldete die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) in Nürnberg, "ist in diesem Jahr gegenüber Konkurse, Kurzarbeit, Betriebsstillegungen und eine zunehmende Gefährdung der Arbeitsplätze".

Die Kämpfer gegen Kanzler Willy Brandts Ostpolitik fochten dabei unversehens in einer Front mit dem DDR-Blatt Neues Deutschland, das von einer generellen "sozialen Unsicherheit der Werktätigen", in der Bundesrepublik zu berichten wußte. Doch davon kann bisher kaum die Rede sein.

Was nämlich Gesamtmetall in der Vorbereitung auf die anstehende Tarifrunde der Metallindustrie mit einiger Dramatik verbreitet, der CDU-Wirtschaftsrat dankbar aufnimmt, um eigene Ratlosigkeit vergessen zu lassen, das reduziert sich – differenziert betrachtet – bislang noch auf Schwierigkeiten einzelner Branchen, zum Teil nur einzelner Betriebe.