Nach dem Verlust der Regierungsämter steht die CDU vor einem Schuldenberg

Von Wolfgang Hoffmann

Es ist nicht gerade der Pleitegeier, der über der Parteizentrale der Christlich-Demokratischen Union in der Bonner Nassestraße kreist, und mit dem Gerichtsvollzieher hatte die Opposition bislang auch noch nichts zu tun. Dennoch hat sich die CDU auf ihrem Weg in die Opposition einen Rucksack voller Schulden aufladen müssen. Allein der Wahlkampf 1969 hinterließ in der Parteikasse ein Loch von acht Millionen Mark.

Der CDU-Bundestagsgeschäftsführer Rüdiger Göb erklärt die Schuldenlast aus einer "Kumulation ungünstiger Umstände". Da sind zunächst die hohen Schulden aus dem Wahlkampf. Hinzu kam die "ungewohnte Rolle der Opposition", die für die Partei eine Verschiebung ihrer parteipolitischen Funktion brachte. Geschäftsführer Göb macht keinen Hehl daraus, daß die lange Zeit der Herrschaft bei der Union zwangsläufig zu einer Identifikation zwischen Regierung und Regierungspartei geführt hat. Die CDU/CSU konnte in diesen Jahren stets auf eine eingespielte Regierungsmaschinerie zurückgreifen und sich den Sachverstand des Beamtenapparates nutzbar machen, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Rüdiger Göb: "Die Partei war im Grunde nur ein Wahlkampfverband. Als wir in die Opposition traten, fehlten ihr die Experten an allen Ecken." Beim Regierungswechsel verfügte die Partei in ihrer Informationszentrale zum Beispiel nur über "anderthalb" Leute. Heute kann die Parteispitze auf einen Informationsstab mit 15 Mitarbeitern zurückgreifen. Göb: "Und das kostet natürlich alles Geld."

Schulden mußte die Union auch zum Hausbaumachen. Die Bundesgeschäftsstelle war auf sechzehn verschiedene Häuser verteilt. Das machte eine Stabsarbeit unmöglich. Alle angestrebten Rationalisierungseffekte wären ohne das demnächst bezugsfertige Konrad-Adenauer-Haus (Kosten rund 20 Millionen Mark) verpufft. Finanzieren mußte Göb überdies eine kostspielige Personaldatenbank.

Die heutige Schuldenlast (rund zwölf Millionen insgesamt) ist indes nicht nur allein darauf zurückzuführen, daß die CDU jahrelang vom Sachverstand der Regierung profitieren konnte. Die Union zehrte zugleich auch von den Finanzen des von ihr regierten Staates. Denn Regierungspropaganda und kostspielige Wahlhilfe für die CDU waren oft unentwirrbar und undurchsichtig miteinander verquickt.