Es ist verwirrend und widersprüchlich: Fast 15 000 im "Marburger Bund" organisierte Krankenhausärzte begannen nach der Aufstandsprobe in Berlin am 13. September im ganzen Bundesgebiet mit Kampfmaßnahmen, um Tarifforderungen durchzusetzen – einen Tag, bevor die bekämpften öffentlichen Arbeitgeber mit den Gewerkschaften ÖTV und DAG über die Termine für die anstehenden Tarifverhandlungen sprachen.

Die in Berlin bereits "erfolgreich" exerzierte, jetzt auch in anderen Bundesländern angewandte "Stufe zwei" der Kampfmaßnahmen – Verweigerung jeglicher Verwaltungsarbeit (Gutachten, Arztbriefe und ähnliches) – führt nach den Erklärungen der Marburger-Bund-Vorstandsmitglieder dazu, daß die Patienten viel besser, viel intensiver behandelt und untersucht, viel besser betreut werden als normalerweise möglich.

30 Prozent oder gar noch mehr an Arbeitsbelastung fielen, in Berlin dadurch fort, erläuterte Dr. Landgraf, einer der Streikführer. Dadurch hätten sich die Ärzte auch nachmittags viel gründlicher mit ihren Patienten beschäftigen können, ja sogar-, Sprechstunden für die Angehörigen halten: können. Landgrafs Pazit: "Die Patienten waren sehr zufrieden."

Die Stufe drei – entsprechend dem Notdienst – schon hier und da punktuell angewandt, könne gewisse Unannehmlichkeiten für Patienten mit sich bringen. Medizinisch, aber werde auch dabei alles Notwendige getan. Sollte aber doch einmal, eine Panne passieren, dann trügen einzig und allein, die Arbeitgeber, die Verantwortung.

So kämpfen also – die Assistenz- und Oberärzte der öffentlichen deutschen Krankenhäuser gegen ihre Arbeitgeber, Länder und Gemeinden, mit allen Mitteln für drei Ziele deren Gewichtung offenbar wechselt – je nachdem, wer sich und wann dazu äußert.

In der Vorphase vor den Tarifverhandlungen verlangte der Marburger Bund (dem der Großteil der angestellten und beamteten Ärzte angehört) vor allem, von den Arbeitgebern als tariffähige Gewerkschaft anerkannt zu werden. "Die Gewerkschaften ÖTV und DAG können uns nicht vertreten, denn sie haben praktisch keine Ärzte organisiert."

Der Marburger Bund hat indessen bisher nur mit freien Krankenhausträgern Tarifvereinbarungen abgeschlossen. Bei allen Tarifverhandlungen mit den öffentlichen Arbeitgebern, die immer für alle Angestellten und Arbeiter des öffentlichen Dienstes geführt werden, waren sie durch die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) vertreten. Doch in deren großer Tarifkommission sitzt – auch jetzt wieder – MB-Geschäftsführer Hans Trawinski "als DAG-Mitglied", wie er vorsorglich bemerkt. Diese personale MB-Vertretung war denn immer auch nur "subkutan".