Der Ärztestreik ist ein Streik, bei dem die Streikenden vollzählig zur Arbeit antreten und sogar mehr als üblich arbeiten. Es ist eine "Aktion Igel", ein Dienst nach Vorschrift, hier Aktion "intensive Behandlung" genannt, die dem Betroffenen, in diesem Falle also den Patienten, nur nützt. Denn jetzt werden alle ärztlichen Arbeiten zur optimalen Versorgung der Patienten ohne Rücksicht auf eventuell für das Krankenhaus entstehende Kosten durchgeführt, alle Verwaltungsarbeiten dagegen unterlassen oder boykottiert, insbesondere solche Arbeiten, die für Abrechnungszwecke des Krankenhauses mit den Kostenträgern erforderlich wären.

Der Schreib- oder Verwaltungsstreik kann auf verschiedene Weisen durchgeführt werden. Der Marburger Bund schlägt vor:

1. Aufnahme mit Streikposten besetzen, die die Einweisungsscheine der Ärzte kassieren und ihre Weiterleitung an die Verwaltung verhindern. Auf den Einweisungsscheinen lediglich einen Vermerk anbringen: "Patient ist stationär aufgenommen." Arztunterschrift, kein Stempel. – Auf diese Weise bekommt zwar der Patient sein Krankengeld, eine Abrechnung des Krankenhauses mit den Kostenträgern aber wird unmöglich gemacht. – Einsendung der Einweisungsscheine entweder direkt im neutralen Umschlag an die Krankenkassen oder Weiterleitung an den Marburger Bund, damit die Scheine von hier aus den Kassen zugeleitet werden.

2. Kein Ausfüllen von Eileinweisungsscheinen!

3. Keine ärztlichen Unterschriften unter Entlassungsmitteilungen und ähnliches an die Verwaltung!

4. Abrechnungsunterlagen, die gegebenenfalls durch Ankreuzen kenntlich gemacht sind, dadurch wertlos machen, daß alle alternativen Möglichkeiten ebenfalls angekreuzt werden.

5. Keine Diagnosen an die Verwaltung herausgeben! Wenn sich eine Herausgabe nicht vermeiden läßt, kassenunwirksame "Diagnosen" verwenden, wie "Juckreiz", "Bauchweh", "Inneres Unbehagen" u. ä.